Dienstag , 22. September 2020
Christian Sabisch (rechts) und Jens Rainer Kalkmann. Foto: t&w

Ein Baby verdirbt das Abendessen

Lüneburg. Was, zum Teufel, macht dieses seltsame Wesen mitten im Abendessen? Den ganzen Tag musste der Ochse bei echtem Sauwetter malochen, jetzt hat er Kohldampf, freut sich daheim auf eine gut gefüllte Futterkrippe. Die Krippe ist tatsächlich gut gefüllt, und zwar mit einem schreienden Blag. Raus damit, fordert der Ochse, Aber man kann das Kind doch nicht dem sicheren Tod überlassen – Nächstenliebe jedenfalls geht anders.

Daran erinnert ihn sein Freund, der Esel. Beide sind in der Weihnachtsgeschichte Randfiguren, Norbert Ebel hat sie für sein heiteres Zwei-Personen-Kinderstück „Ox und Esel“ zu Hauptdarstellern gemacht. Christian Sabisch und Jens Rainer Kalkmann spielen in der Regie von Anita Steiner die beiden Tiere, denen man normalerweise nicht so schrecklich viel Reflektionsvermögen zutraut.

Der Ochse schimpft, fuchtelt mit Messer und Gabel herum, er will nur sein Futter und Ruhe im Stall, soll der Esel das Problem lösen. Der aber hat sich umgehört in Bethlehem, er bekommt als Lasten- und Reittier ja auch viel mehr Klatsch und Tratsch mit. Er versteht nicht alles; da gibt es einen Herrn Rodes (oder so ähnlich), der sucht mit allen Mitteln einen gewissen Messi, der gerade geboren ist und angeblich statt seiner König werden soll.

Melancholische Geschichte über Freundschaft

Das hört sich gefährlich an, jedenfalls gibt es große Aufregung im Dorf, und das verwaiste Baby ist völlig hilflos. Draußen herrschen bittere Kälte und Schneegestöber, drinnen raufen sich der Bulle und der Sturkopp zusammen. Irgendwann vergisst der Ochse seinen Hunger und rückt sogar sein geliebtes kariertes Serviettentuch, das er einst von Opa Ochsenknecht erbte, heraus, um den Säugling trockenzulegen.

Und so entwickelt sich eine einfache, manchmal witzige, manchmal melancholische Geschichte über Freundschaft und Verantwortung ohne Rücksicht auf mögliche künftige Unannehmlichkeiten. Am Ende erweist sich der Ochse sogar als begabter Sänger von Schlafliedern, was ihm den Kommentar „Du bist im Recall!“ des Esels einbringt.

Das einstündige Stück gehört zum Repertoire des Schauspielkollektivs von Thomas Flocken und Julia von Thoen. Ox und Esel gehen erst am 1. Dezember, 15 Uhr, wieder auf die Bühne der Kulturbäckerei, letzte Vorstellung ist am 23. Dezember. ff