Mittwoch , 21. Oktober 2020
Die Fotografin Beate Schmegel hat einen Blick für Insekten und Kriechtiere, hier hat sie eine Schnecke in Szene gesetzt. Foto: ff

Über die kleinen Schleimer

Lüneburg. Schnecken gelten gemeinhin nicht unbedingt als großartige Persönlichkeiten. Bei Beate Schmegel wird der kleine blasse Schleimer zum mal metallisch kühlen, mal zum von Narben zerfurchten Charakterwesen: Die Fotografin hat sich auf die Mikrokosmen der Natur spezialisiert, eine Reihe von Ausstellungen gestaltet, in denen kleine Gestalten große Abenteuer erleben. Unter dem Titel „Genesis“ zeigt Beate Schmegel nun in der Kreuzkirche neue Arbeiten, die alle eine eigentümliche Spannung ausstrahlen, den Besucher in irgendeiner Weise konfrontieren, mit einer Rätselhaftigkeit beispielsweise, oder mit einem Insekt.

Da wird der Betrachter – Auge in Auge – dem stechenden Blick eines Kohlweißlings, also eines Schmetterlings, ausgesetzt, solche Face-to-Face-Situationen sind inzwischen ein Markenzeichen von Beate Schmegel. Es gibt klassische Naturfotografie, in der eher banale Pflänzchen einen erstaunlichen Reichtum an Farben und Formen entfalten. Anderswo hat die Fotografin die Kamera beim Auslösen schnell gekippt, Ergebnis: Bäume sehen aus wie mit schnellem Pinselstrich gemalt. Für so etwas gibt es auch Effekt-Linsen zu kaufen, aber hier gilt: Keine technischen Tricks, kein Fotoshop, alles passiert beim Fotografieren selbst.

Erde, Wasser, Luft und Feuer

Bei Mehrfachbelichtungen beispielsweise, da kriecht nun eine Schnecke gegen sich selbst um die Wette. Ein Artgenosse sitzt in einem Glas-Kabinett und gewinnt durch die kühle Klarheit des Bildes und die Laborsituation die unwirkliche Aura eines Alien. Der Titel „Genesis“ bezieht sich zunächst auf einen Zyklus, der viermal das gleiche Ahornblatt zeigt: Erde, Wasser, Luft und Feuer, die Elemente spiegeln sich durchaus dramatisch in dem leicht schrumpeligen Blatt. Wie ist das gemacht? Eigentlich Betriebsgeheimnis, aber fragen kostet ja nichts. Beate Schmegel ist Grafik-Designerin und arbeitet seit 2003 freischaffend

Vernissage ist am Sonntag, 7. Oktober, um 10 Uhr spricht Pastor Bernd Skowron zum Erntedank und auch schon über die Fotografien, anschließend wird die Ausstellung eröffnet. Den musikalischen Rahmen gestalten Silvia Johannsen (Mezzosopran) und Martin Rohlfing (Tasten). Die Ausstellung läuft bis 11. November (die./do. 9 bis 11.30 Uhr und nach Vereinbarung). ff