Freitag , 18. September 2020
Die Violinistin Saimi Kortelainen und ihre Mutter, die Organistin Elke Unt, spielen am Sonnabend in St. Johannis, darauf freuen sich Kantor Joachim Vogelsänger und Birte Schellmann, Vorsitzende des Kulturausschusses. Foto: ff

Eine Orgel für die Tartu Jaani Kirik

Lüneburg. Kirchenorgeln sind Baustellen. Die empfindlichen, oft jahrhundertealten Instrumente leiden an Staub, Feuchtigkeit und schlicht am Zahn der Zeit, wesha lb immer wieder Geld für eine Restaurierung beschafft werden muss. Nichts mehr zu retten ist bei der Tartu Jaani Kirik, also der St. Johanniskirche in Lüneburgs estnischer Partnerstadt Tartu, hier muss ein Neubau her. Der aber ist teuer, ein Benefizkonzert am kommenden Sonnabend, passenderweise in St. Johannis Lüneburg, soll das Projekt ein Stückchen weiterbringen.

25-jährige Partnerschaft

Die Partnerschaft mit Tartu jährt sich nun zum 25. Mal. Es ist eine Verbindung, die nicht nur auf Dokumenten besteht, sondern die auch mit Leben gefüllt wird. Bereits 2005, bei dem Wiederaufbau der Jaani Kirik, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, gab es Spenden aus Lüneburg. Zerstört wurde auch die aus dem Barock stammende Orgel, eine Zwischenlösung ist mittlerweile auch hinfällig. Leicht wurde es den Bewohnern von Tartu in den Sowjet-Zeiten nicht gemacht, Kommunisten sind keine Freunde historisch gewachsener Kirchenkultur.

Das neue Instrument soll sich an den Meisterwerken des Danziger Orgelbauers Andreas Hildebrandt aus dem 18. Jahrhundert orientieren. Kostenpunkt: rund 700 000 Euro, erst ein Sechstel ist bisher beisammen, einzig auf Spenden basierend. Das gute Stück soll rund 1500 Pfeifen für 32 Register haben, damit entspricht sie ungefähr der neuen Chor-Orgel in St. Johannis Lüneburg. Sie wird auch der Schauplatz des Benefizkonzertes sein, zu hören sind unter anderem Werke für Orgel und Violine, und eine solche Besetzung lässt sich auf der großen, historischen Orgel nicht realisieren.

Mutter und Tochter gemeinsam auf der Bühne

Orgel und Violine, das sind in diesem Fall Mutter und Tochter: Elke Unt zählt zu den profiliertesten Kirchenmusikerinnen ihres Landes, tritt auch als Komponistin und Arrangeurin für Orgel, Chor und Solisten in Erscheinung, 2012 wurde sie mit dem Estnischen Volksmusik-Preis ausgezeichnet. Ihre Tochter, die Violinistin Saimi Kortelainen, studiert in Graz, konzertiert mit ihrer Mutter in Estland und Finnland, legt nebenbei einen Schwerpunkt auf den reichen Fundus der estnischen Volksmusik und widmet sich den entsprechenden traditionellen Instrumenten.

Das spiegelt sich auch in dem Konzertprogramm: Zu hören ist eine Suite von der Zeitgenössin Celia Roose: „Suite of the Estonian Shepherd`s für Organ and Voice“, Bearbeitungen alter Schäferlieder also. Eröffnet wird der Konzert-Abend mit Prelude und Fantasie von Alfred Karinidi (1901-1961), gefolgt von sechs Stücken für Violine und Orgel (op. 150) von Joseph Rheinberger. Das Konzert „Musical greetings from St. John of Tartu“ beginnt um 18 Uhr und ist Teil des Lüneburger Orgelsommers. Ein erstes Konzert gab es bereits in St. Marien Scharnebeck, Elke Unt und Saimi Kortelainen sind außerdem am Sonntag um 17 Uhr in der Klosterkirche Medingen zu hören.

von Frank Füllgrabe