Donnerstag , 24. September 2020
Kerstin Diedenhofen, Fotograf Christian Nowak und das Weidenei. Foto: Claudia Misiek

Alles hat nun mal seine Zeit

Wennekath. Es geht um das „Grande Finale“ und es ist nicht von Fußball die Rede. Sondern vom kunstvollen Hof und Garten in Wennekath Nummer sechs, wo die Bildh auerin Kerstin Diedenhofen ihre achte und letzte Sommerausstellung zeigt. Mit ihr präsentiert sich – nicht zum ersten Mal – der Fotograf Christian Nowak. Dass sich ihre eigentlich komplett unterschiedlichen Arbeiten aufeinander beziehen, war schon in der KulturBäckerei zu sehen, nun also beim Wennekath-Finale an diesem Wochenende, 23./24. Juni.

Vor der Bildhauerin steht ein Aufbruch

„Grande Finale“ heißt, dass Kerstin Diedenhof in absehbarer Zeit einpacken muss. Sie ist auf der Suche nach einem neuen Ort zum Arbeiten, zum Leben. Nun füllen also noch einmal Skulpturen, Fotos und mehr das Grün. Diedenhofens wichtigstes Kunstarbeitsgerät ist die Motorsäge. Es entstehen Stelen, oft scheinen sie sich spiralenartig in die Höhe zu schrauben. Sie können knallig farbig sein wie die floral wirkenden Arbeiten, die es ebenfalls häufiger gibt. In jüngerer Zeit werden die Skulpturen purer. Die Farbe weicht, das Material, ob hart oder härter, dominiert. „Aus dem Stamm heraus kommen Formen, ich hinterfrage das nicht“, sagt die Bildhauerin. Kunst muss keine Botschaft haben, sie will einfach Kunst sein. Sie darf auch Witz besitzen, fröhlich daherkommen wie die „Gartenkumpel“.

Acht Jahre lebt die Bildhauerin seit ihrem Fortgang aus Stuttgart in Wennekath. Sie gibt Kurse, sie sägt, sie koloriert, sie baut Skulpturen, zeigt ältere, verspielte Möbelstücke. Bekannt sind die Leiber von lebensprallen Frauen, geformt aus Latex. Das „Grande Finale“ gewinnt so Züge einer Retrospektive. Vor der Bildhauerin steht ein Aufbruch, wohin auch immer sie das Leben treibt und wohin die Kunst. . .

Skulptur wird von Draht gehalten

Zu den bekannten Arbeiten gehört das riesige Ei, geflochten aus Weide. Kerstin Diedenhofen hat von ihm mit immer neuen, gekleisterten Papierschichten einen Abdruck geschaffen. Die Skulptur wird von Draht gehalten, dazu hat die Künstlerin Falten in das Objekt genäht. Das wirkt!

Das Weidenei stellt die Verbindung zum Fotografen Christian Nowak her. Sein Thema sind eigentlich Menschenbilder und Akte. Er lässt sich aber seit langem von Kerstin Diedenhofens Arbeiten inspirieren. Daraus entstehen eigenwillige, narrative, rätselhafte und mitunter dystopische Fotografien.

Die Vorgehensweise der beiden Künstler unterscheiden sich. Die Bildhauerin arbeitet intuitiv aus dem Material heraus und wartet, was es ihr anbietet. Nowaks Ausgangspunkt ist eine Idee und eine aus ihr wachsende Konstellation, die er dann mit der Kamera umsetzt. Der Prozess der Inszenierung, also der Aufnahme oft ritualähnlicher, archaisch wirkender Situationen selbst kann natürlich zu Veränderungen führen.

Das „Grande Finale“ startet am Sonnabend

Nowak arbeitet oft in Serien wie in „Onus Ovo“, bei der eine nackte Frau das Weidenei schleppt. Der Fotograf präsentiert in Wennekath auch die Aktportrait-Serie „Schwimmen im Fluss”, die über einen Zeitraum von zwölf Monaten an der Elbe entstand. Viele Serien haben einen vorwiegend ästhetischen Anspruch, andere ein inhaltliches Thema, bei dem Nowak zum Beispiel fragt: „Wie viel Individualismus kann ich mir leisten, um nicht aus der Gruppe zu fallen?“ Kunst kann auch Botschaften oder Anreize zum Reden setzen.

Das „Grande Finale“ startet am Sonnabend, um 13 Uhr, öffnet am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Sonnabend ab 18 Uhr spielen Tabea und Band eigene und gecoverte Songs. Wie im Vorjahr sorgen die Landfrauen Thomasburg für das leibliche Wohl und informieren über Aktivitäten ihres Vereins.

Von Hans-Martin Koch