Sonntag , 27. September 2020
Das Ensemble "L'art pour l'art"

Ensemble aus Winsen kritisiert „Echo“-Verleihung

Winsen. Die vergangene „Echo“-Preisverleihung schlug hohe Wellen in Medien und Showbusiness: Viele Künstler protestierten gegen die Auszeichnung der beiden Rapper Kollegah und Farid Bang, einige  – darunter auch Marius Müller-Westernhagen – gaben ihre „Echos“ zurück.

„Echo“-Preisträger gibt es auch in der Region – 2012 erhielt das Ensemble „L’art pour l’art“ um den Klangkünstler Matthias Kaul aus Winsen den bekannten Preis. Zurückgeben will das Ensemble ihren „Echo“ nicht. Trotzdem kritisieren die Musiker die Entscheidung der Jury. Einmal wieder würden „Tabubrüche um jeden Preis als Geschäftsmodell geadelt“, sagt das Ensemble. Und stellt einen Bezug zur aktuellen Politik her: Denn „dieses furchtbare Geschäftsmodell“ sichere viele Wählerstimmen und sei durch die Kunstfreiheit „reingewaschen“.

In ihrem Statement erwähnt „L’art pour l’art“ aber auch die andere Seite des „Echos“. Denn der Musikpreis „kann auch anders“: „Unser mit einem „Echo“ dekoriertes Projekt „haltbar gemacht“, eine CD mit Musik aus der Kompositionsklasse des Ensembles L’ART POUR L’ART, war kommerziell ein Flop, wurde aber als hoffnungsvoller Beitrag zu einem zivilen Leben angesehen.“ lz

Die Erklärung im Wortlaut:

Der Echo : ein deutscher Musikpreis.

Das Ensemble L’ART POUR L’ART:  Echopreisträger im Jahr 2012

Es geht uns nicht um die pathetische Rückgabe des Preises, eher möchte wir unser Erschrecken darüber (mit)teilen, dass durch die diesjährige Vergabe eines Echos an  Kollegah und Farid Bang einmal wieder Tabubrüche um  jeden Preis als Geschäftsmodell geadelt werden. Dieses furchtbare Geschäftsmodell sichert hohe Einschaltquoten, sichert klingende Kassen, sichert viele Wählerstimmen und ist durch die gesetzlich verbriefte Freiheit der Kunst reingewaschen. Nein, wir möchten dieses Gesetz nicht in Frage stellen. Kunst agiert aber nicht im luftleeren Raum, sondern hat nach unserer Auffassung eine gesellschaftliche Verantwortung.

Natürlich sind Zahlen eine klare Maßeinheit, viel klarer als jede menschliche, zivilisatorische Qualität, die auch von der Kunst in die Welt gesetzt werden kann, aber nur in zähen Prozessen wirksam wird und daher schwer als preiswürdig zu erkennen ist. Von daher ist ein Echo nach Verkaufszahlen natürlich leicht zu rechtfertigen. Wenn wir die politische und gesellschaftliche Situation unseres Deutschlands im Jahr 2018 ansehen, haben wir ein kristallines Bild davon, wohin das Diktat der Einschaltquoten und klingenden Kassen geführt hat.

Wir zitieren an dieser Stelle (mit einem kursiv gedruckten Zusatz versehen) aus Wolfgang Borcherts 1947 geschriebenem Text „Dann gibt es nur eins“.

Du. Dichter in deiner Stube. Wenn sie (die Geldgeber) dir morgen befehlen, du sollst keine Liebeslieder, du sollst Hasslieder singen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Wir wären verlogen, wenn wir nicht darauf hinweisen würden, dass der Echo auch anders kann. Unser mit einem Echo dekoriertes Projekt „haltbar gemacht“, eine CD mit Musik aus der Kompositionsklasse des Ensembles L’ART POUR L’ART, war kommerziell ein Flop, wurde aber als hoffnungsvoller Beitrag zu einem zivilen Leben angesehen.

Ensemble L’ART POUR L’ART 17. April 2018