Donnerstag , 29. Oktober 2020
Die Autorin Petra Morsbach kommt am 11. April nach Lüneburg. Foto: Bogenberger

Recht hinter Aktenbergen

Lüneburg. In ihrem mehrfach ausgezeichneten Roman „Justizpalast“ (Knaus Verlag) erzählt Petra Morsbach von Richtern und Gerechtigkeit. Thirza Zorniger wird Rich terin, da sie für Gerechtigkeit sorgen will, doch die Wirklichkeit ist anders als die Theorie: Eine hochdifferenzierte Gerechtigkeitsmaschine muss das ganze Spektrum des Lebens verarbeiten, wobei sie sich gelegentlich verschluckt.

Die Jury des Wilhelm-Raabe-Literaturpreises lobte das Buch, für das die Autorin über neun Jahre recherchiert hat, als „realistisch und komisch, analytisch und verständnisvoll“, und die Frankfurter Rundschau urteilte, „ein zutiefst humanes Buch. Und ein Roman, der dem Rechtsstaat, bei allen Lächerlichkeiten, Eitelkeiten und Aktenbergen ein Loblied singt.“ Petra Morsbach liest am Mittwoch, 11. April, um 19.30 Uhr im Heinrich-Heine-Haus. Der freie Literaturkritiker Christoph Schröder moderiert. Im Juni folgen in der Reihe „ausgewählt“ des Lüneburger Literaturbüros zwei Autoren, die in ihren Romanen bedeutenden Schriftstellern nachspüren.

Widersprüche der Jahrhundertwende

„Keyserlings Geheimnis“ – Mittwoch, 20. Juni, 19.30 Uhr, Heine-Haus: Im Jahr 1901 lädt der Dramatiker Max Halbe Schwabinger Freunde ein, die Sommerfrische am Starnberger See zu verbringen. Keyserling sitzt dort dem Maler Lovis Corinth Modell. Während ihrer Sitzungen erkundigt sich Corinth nach der Vergangenheit des baltischen Grafen, nach seiner Studienzeit, um die sich Gerüchte ranken, bekommt jedoch nur aus­weichende Antworten.

Bei einem Konzertbesuch lauscht Keyserling gemeinsam mit Frank Wedekind einer Sängerin, die ihm merkwürdig vertraut erscheint. Handelt es sich womöglich um jene Frau, die ihn vor mehr als 20 Jahren in den Skandal verwickelte, der ihn in Adelskreisen zur Persona non grata werden ließ? Klaus Modick spürt den emotionalen und gesellschaftlichen Widersprüchen der Jahrhundertwende nach und erzählt davon, wie Keyserling zu jenem brillanten Schriftsteller wurde, der den Zerfall der eigenen Klasse mit Melancholie und Ironie beschrieb. Klaus Modick, geboren 1951, wurde für sein umfangreiches Werk mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Nicolas-Born-Preis, dem Bettina von-Arnim-Preis und dem Rheingau Literatur Preis.

Zeit der äußeren und inneren Zerbrochenheit

„Wiesenstein“ – Mittwoch, 27. Juni, 19.30 Uhr, Museum Lüneburg: Inmitten der Barbarei des Zweiten Weltkriegs brechen der schwerkranke Dichter Gerhart Hauptmann und seine Frau Margarete unter Begleitschutz aus dem zerstörten Dresden auf. Das Ziel ist das Anwesen des alternden Schriftstellers im schlesischen Riesengebirge, die Villa Wiesenstein. Mit einer imposanten Dienstbotenschaft steht ihr luxuriöses Leben dort für eine Unbeschwertheit, die durch den verlorenen Krieg und fremde Truppen zu zerfallen droht.

Der Roman „Wiesenstein“ (C. H. Beck) erzählt weise von einer Zeit der äußeren und inneren Zerbrochenheit, von Verzweiflung und Hoffnung. Bisher unveröffentlichte Tagebuch­einträge der Hauptmanns erlauben einen Blick in das letzte Lebensjahr des Literaturnobelpreisträgers. Hans Pleschinski, geboren 1956, lebt als freier Autor in München. Der Autor erhielt u. a. den Hannelore-Greve-Literaturpreis, den Nicolas-Born-Preis und den Literaturpreis der Stadt München. lz