Samstag , 24. Oktober 2020
Der im Landkreis lebende Maler Manfred Besser erhielt in diesem Jahr den Dr.-Hedwig-Meyn-Preis. (Foto: A/t&w)

Ein Preis als Lückenschließer

Lüneburg. Städte, Kreise, Länder, Stiftungen schreiben Preise aus, mit denen sie Menschen ehren, die in oder für die Region oder für das Land Besonderes geleistet haben. Das gilt für alle gesellschaftlichen Bereiche, von Sport über Naturschutz bis zur Kultur. Für die Kultur soll in der Stadt Lüneburg nach Willen der SPD-Ratsfraktion ein neuer Preis hinzukommen. Darüber wurde schon debattiert und wird es erneut am Mittwoch, 21. März, auf der Sitzung des Kultur- und Partnerschaftsausschusses im Glockenhaus.

Der Hintergrund ist im Kern ein erfreulicher. Seit 2002 vergibt die Stadt den Dr.-Hedwig-Meyn-Preis. Er kam überraschend auf die Stadt zu. Die frühere Sozialdezernentin Dr. Hedwig Meyn überließ der Stadt nach ihrem Tod 1997 ein Vermächtnis mit der Auflage, einen Preis für „Maler, Grafiker, Bildhauer, Architekten, Dichter oder Schriftsteller“ zu vergeben. Das geschieht seit 2012 jährlich mit Ausnahme einer dreijährigen Pause zwischen 2014 und 2017. Bisher wurden 18 Bildende Künstler, drei Autoren und ein Architekt ausgezeichnet; in etlichen Jahren teilten sich zwei Preisträger die Auszeichnung.

Ergänzung zum Dr.-Hedwig-Meyn-Preis

Leer ausgehen bisher sowohl die Musiker als auch Vertreter der Darstellenden Kunst. Als Dr. Hedwig Meyn ihren Plan konzipierte, wurde noch an Theaterkünstler der Thespis-Ring verliehen, der Landkreis vergab einen Kulturpreis, offen für alle Sparten. Beide Auszeichnungen wurden mittlerweile eingestellt. Der Thespis-Ring-Sponsor zog sich aus persönlichen Gründen zurück, der Landkreis musste sparen. Im Kreis wurde nach längerer Auszeit 2009 ein Kulturförderpreis eingerichtet, den bisher neun Musiker, sieben Bildende Künstler, zwei Autoren und eine Theaterleiterin erhielten.

Der SPD-Antrag will die Lücke im Meyn-Preis schließen, der die Musik und die Darstellende Kunst ausschließt. Der neue Preis soll im jährlichen Wechsel mit dem Meyn-Preis vergeben werden. Das wäre auch sinnvoll, weil die aktuelle Zinslage aus dem Vermächtnis so gut wie keine Erträge zu erzielen sind. Dotiert werden sollte der Preis mit „mindestens 1000 Euro“, heißt es in dem seit Oktober auf dem Tisch liegenden Antrag.

Preisgeld ist für zehn Jahre gesichert

„Grundsätzlich verständlich“ findet Birte Schellmann (FDP), Vorsitzende des Kulturausschusses, den SPD-Antrag. Sie verweist aber auf die angespannte Haushaltslage. Das Preisgeld müsse von außen kommen, das habe der Oberbürgermeister auch zugesagt, aber bisher keinen Sponsor genannt. Die Einrichtung des Preises befürwortet auch der stellvertretende Ausschuss-Vorsitzende Ernst Bögershausen – mit der gleichen Einschränkung: „Wir müssen überlegen, wie wir das finanzieren.“

Friedrich von Mansberg hat für die SPD den Antrag gestellt und gibt Entwarnung: „Wir haben uns auf den Weg gemacht und eine Finanzierung jenseits des Stadtetats gefunden.“ Eine Stiftung habe das Preisgeld von 2000 Euro für zehn Jahre zugesagt. Das heißt bei zweijährigem Turnus, dass der im Detail noch zu definierende Preis für fünf Verleihungen gesichert ist – so die Kommunalpolitik zustimmt.

▶ Weitere Themen bei der um 16 Uhr beginnenden Sitzung sind der Wirtschaftsplan der Museumsstiftung, die Aufnahme eines Mitglieds der Jugendhanse in die Hanse-Gilde, die Förderung der kulturellen Projekte und der Antrag der Linken zur Einberufung eines Forums Lüneburger Erinnerungskultur.

Von Hans-Martin Koch