Freitag , 30. Oktober 2020
Immanuel Kant, 1872 gemalt von Johannes Heideck. Foto: Archiv

Der Kant-Bau kommt

Lüneburg. Die Maler sind da, bald kommen die Vitrinen. Karten werden gezeichnet, Drehbücher für Medienstationen geschrieben. Das Ostpreußische Landesmuseum soll seine Tore am 25. August wieder öffnen, runderneuert und um eine Deutschbaltische Abteilung erweitert. Der Blick von Dr. Joachim Mähnert geht aber schon viel weiter – ins Jahr 2024. Dann nämlich soll ein weiterer Trakt stehen, der „Kant“-Bau. Für den wurden jetzt alles in allem acht Millionen Euro freigegeben.

Am 22. April 2024 ist der 300. Geburtstag des Philosophen

Auslöser für den Zusatzbau war die Schließung des Museums Stadt Königsberg, das in Duisburg ansässig war. Das privat betriebene Museum ließ sich personell nicht mehr halten und zog 2016 komplett nach Lüneburg um. Zu dem Zeitpunkt lief die Neugestaltung bereits, für den enormen Zuwachs an Themen und Exponaten zur Geschichte Königsbergs war kein Platz in den Plänen.

Neben einer kostbaren Sammlung zu Käthe Kollwitz wechselte die größte Sammlung über den Philosophen Immanuel Kant von Duisburg nach Lüneburg. Am 22. April 2024 ist der 300. Geburtstag des Philosophen zu begehen. Zu dem Tag soll ihm in Lüneburg ein eigenes Museum geschenkt werden, im Verbund mit dem Landesmuseum.

Machbarkeitsstudie liegt bereits vor

Der Bund hatte für Kant und Co. bereits im Bundeshaushalt 2017 seinen Finanzierungsanteil in Höhe von 5,6 Millionen Euro freigegeben, teilt der Lüneburger CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols mit. Vom Land stehen laut Pols nun zusätzliche 2,4 Millionen Euro zur Verfügung. Mit der Entscheidung des Landes „kann diese für unser Land bedeutende Kulturinstitution maßgeblich weiterentwickelt werden“, sagt der Politiker. Weiterhin könne „auf der neu gewonnen Ausstellungsfläche an den Widerstand des 20. Juli 1944 in Ostpreußen erinnert werden“, so Pols. Der Lüneburger ist Vorsitzender der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag.

Eine Machbarkeitsstudie für den Kant-Bau liegt bereits vor. Das Gebäude könnte sich 14 Meter emporstrecken und sechs Meter in die Tiefe reichen. Rund 700 Quadratmeter Ausstellungs- , dazu etwas Depotfläche sollen entstehen, der Zugang über ein verbindendes Foyer über das Landesmuseum erfolgen.

„Es solle nicht elitär sein“

Einen Tagungsraum hätte Dr. Mähnert auch gern. „Wir bauen ja ein Vermittlungsformat auf. Wir wollen keine hochwissenschaftliche Ausstellung konzipieren, sondern eine, die Schulen und Familien anspricht.“ Es solle nicht elitär sein. Die Kant-Forschung werde aber ebenfalls ein selbstverständliches Thema des Museums sein.

„Wir haben uns über die Zusagen von Bund und Land sehr gefreut“, sagt Dr. Mähnert. Alles in allem werden an der Heiligengeiststraße nun um die 16 Millionen Euro für die Kultur Ostpreußens ausgegeben. Die Erwartungen ans neue Landesmuseum sind hoch, und jetzt geht es an die Ausschreibungen fürs nächste Projekt – „2024 ist nicht mehr weit“, sagt Dr. Mähnert.

Von Hans-Martin Koch