Donnerstag , 22. Oktober 2020
Im Schatten des Libeskind-Baus muss das Vamos schließen. Die Halle soll zunächst wieder für den Sport genutzt werden. Im LZ-Interview spricht Geschäftsführer Klaus Hoppe über das Aus. (Foto: be)

Vamos schließt zum Jahresende — Interview mit Klaus Hoppe

Lüneburg. Nach 23 Jahren schließt zum Jahresende das Vamos, ein Ort, der nicht nur für Partys gut war, sondern mit Kulturveranstaltungen in Lüneburg so etwas wie die Stadthalle darstellte. Mehr als 2500 Partys und mehr als 500 Konzerte, Theater-, Comedy- und andere kulturell geprägte Abende kann Campus-Pressesprecherin Nele Jennert auflisten. Einiges kommt noch bis Jahresende hinzu.

Das Vamos entstand als studentische Initiative, die in Absprache mit der damaligen Universitätsleitung – ohne Mietkosten – aus der ehemaligen Kasernensporthalle einen zunächst improvisierten, rein studentischen Party-/Kulturbetrieb aufbaute. Mit den Jahren – als Unternehmen der Campus Management GmbH – entwickelte sich ein professionell geführter Lüneburger Veranstaltungsort. Mehr als 2500 Studi-Jobs wurden in der Zeit vergeben. Mit dem Präsidium der Leuphana gab es aber ein langes Hickhack um den Mietvertrag, in dessen Verlauf die Vamos-Betreiber eine Petition einsetzten, bei der 14 400 Stimmen für eine Verlängerung des Vertrags votierten.

Die Leuphana aber hat andere Pläne mit dem Gebäude. Dazu Pressesprecher Henning Zühlsdorff: „Die Universität wird im Laufe des kommenden Jahres das Gebäude zunächst einmal für die Nutzung als Sporthalle herrichten. Das ist deshalb notwendig, weil die alte Sporthalle abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wird.“

Zum Ende des Vamos und den Folgen daraus nimmt Campus-Geschäftsführer Klaus Hoppe Stellung.

Interview

Am 29. Dezember steigt das letzte Konzert im Vamos. Müssen Sie die Halle gleich am 31. übergeben?
Klaus Hoppe: Mit der Silvesterparty am 31. Dezember ist Schluss für die Vamos-Kulturhalle an diesem Standort. Nach heutigem Stand gibt es noch 44 Möglichkeiten, Veranstaltungen im Vamos zu besuchen. Zum Beispiel kommt am 17. Dezember das Vollplayback Theater, am 20. findet die letzte 2017er-Veranstaltung von „Lüneburg singt“ statt, am 29. tritt Torfrock auf und die letzte 40up-Party wird veranstaltet. Ab 2. Januar beginnt der Abbau der Technik, des Tresens und unseres Inventars. Ende Januar werden wir die dann leergeräumte, ehemalige Kasernensporthalle an die Leuphana Universität zurückgeben.

Wird Campus mit dem Ende des Vamos Personal entlassen?
Nach heutigem Stand müssen wir dies nicht und konnten im Rahmen natürlicher Personalfluktuation schrumpfen, beispielsweise bei Technik und Reinigung. Wir wollen die Kompetenzen unserer Mitarbeiter für Campus und Lüneburg erhalten. Natürlich hängt unsere Personalstärke vom Erfolg zukünftiger Partys, Kulturveranstaltungen und weiterer Events an anderen Orten ab.

Mit dem Vamos wurde Geld verdient. Wie fangen Sie die Verluste auf?
Ja, mit dem Vamos wurde Geld verdient, und wir konnten mit diesem Geld viel erreichen. Wir haben in den letzten 23 Jahren mehr als 1,25 Millionen Euro ausgegeben, um Verluste von Kulturveranstaltungen auszugleichen. Wir haben die SVG in den letzten Jahren mit knapp 230 000 Euro gesponsert und unseren Beitrag geleistet, dass sie in der 1. Volleyballbundesliga sind. Wir haben viel Zeit und Geld in die Initiierung der Arena Lüneburger Land investiert. Wir haben zehn Jahre Cambio CarSharing gefördert. Solche Dinge können wir zukünftig nicht mehr unterstützen. Campus geht ein bedeutender Teil Innovationskraft verloren – allerdings nur in wirtschaftlicher Sicht.

Sie haben in der Halle viel Technik installiert: Licht, Traversen etc. Was passiert damit?
Wir werden natürlich alles mitnehmen, und man wird es sicher an anderen Orten wiederentdecken.

Bei der neuen Arena kamen Sie als Betreiber nicht zum Zug. Haben Sie Pläne, über die Ritterakademie hinaus als Veranstalter präsent zu bleiben?
Die neue Arena ist mittlerweile ein trauriges Thema. Bis heute ist für sie kein Baubeginn festgelegt und kein unterschriebener Betreibervertrag existent. Ich rechne nicht mit einer zeitnahen Inbetriebnahme. In der Ritterakademie werden wir die Veranstaltungsdichte steigern. Im Theater werden wir im nächsten Jahr unsere erste Veranstaltung durchführen. Eventuell erhalten wir noch einen zweiten Termin. Der nächstgrößere Raum, der für Kultur bezahlbar ist, ist dann die Aula der Herderschule. Lüneburg fehlt auf Sicht ein mittelgroßer Ort für Kultur. Keine Vamos-Kulturhalle, keine Arena. . .
Aber ich möchte mich unbedingt bei der Institution Universität bedanken, die vor 23 Jahren jungen Studierenden vertraute und gestalterischen Raum bot, auf dem Universitätscampus einen Kultur- und Eventort für die ganze Region zu schaffen. Es entstand daraus bis heute ein großer Betrieb mit 200 Mitarbeitern und 16 Geschäftsfeldern und das aus meiner Sicht Schönste: Das ganze Unternehmen liegt in gemeinnütziger Hand. Dieses Modell, Firmen in gemeinnützige Hände zu legen, wird aktuell von Firmen wie Viva con Aqua oder Lemonaid genau wie bei uns genutzt.

Vom Studenten zum Unternehmer

Klaus Hoppe (48), Geschäftsführer Campus Management, war schon als Student und AStA-Referent mit dabei, als sich ein Verein gründete, um die frühere Kasernensporthalle zum Ort für Partys und Kultur umzuwandeln.

Seit 1999 ist Hoppe Geschäftsführer der Campus Managment GmbH mit 16 Geschäftsfeldern von der Immobilienverwaltung, vornehmlich Studentenwohnheime, über den Einzelhandel (Campus Copy) bis zum Eventmanagement (Catering, Ritterakademie etc.).

Von Hans-Martin Koch