Samstag , 26. September 2020
Dr. Kerstin Hallmann und Prof. Dr. Pierangelo Maset von der Leuphana stellen die aktuellen Maßstäbe und Richtlinien in der Kunstvermittlung in Frage. Fotos: nh

Leistung kann nicht alles sein

Kunst ist kein normales Unterrichtsfach. Die aktuelle Bildungsarbeit in Schulen und Hochschulen drehe sich um Standards und Optimierung – Begriffe, die in der Vermittlung von Kunst auf einen falschen Weg führen. Denn „hier haben wir es mit ereignishaften Singularitäten sowie dem Inkommensurablen (nicht Übersetzbaren) zu tun“, sagen Kerstin Hallmann und Pierangelo Maset, Kunst sei also im konkreten Einzelfall zu betrachten, lasse sich schwer vergleichen, einordnen und verallgemeinern. Und: „Die letztlich auf Leistungskontrolle fixierte Kompetenzorientierung verfehlt das, was Kunst und Bildung als zentrale Impulse für menschliche Existenz auszeichnen.“

Dr. Kerstin Hallmann und Prof. Dr. Pierangelo Maset vom Institut für Kunst, Musik und ihre Vermittlung (IKMV) der Leuphana treten als Herausgeber und Autoren eines Buches auf, in dem die Präsentation und Wahrnehmung von Kunst aus verschiedenen Perspektiven analysiert wird: „Formate der Kunstvermittlung. Kompetenz – Performanz – Resonanz“ (transcript-verlag, Bielefeld, 194 Seiten, 24,99 Euro, E-Book 21,99 Euro).

Zielgruppe: Fachleute

Einleitend stellen die Herausgeber ihre drei zentralen Stichworte zur Debatte. Was verstehen wir heute beispielsweise in der Pädagogik unter Kompetenz? Der noch gültige Grundsatz „Das Wissen muss ein Können werden“ stamme im Kern von dem preußischen General und Militärtheoretiker Carl von Clausewitz (1780-1831). Die Forderung nach der Erlangung verwertbarer Fähigkeiten bezeichnen die Herausgeber als Resultat einer „eng geführten Vorstellung von Pädagogik“, in der Subjektverständnis zur Vernachlässigung der Selbstbestimmung führt.

Insgesamt 15 Autor(inn)en, Wissenschftler und/oder Künstler, beziehen Stellung (wie es von Clausewitz formulieren würde), der Bogen reicht von „Bildung und Kompetenz im Zeitalter der Digitalisierung“ über die „existenzielle Notwendigkeit von Kunst“ bis zu „Möglichkeiten einer kindgemäßen Kunstpädagogik im Spannungsfeld von Popkultur und kindlicher Expressivität“.
Ein zentrales Resümee oder eine Thesensammlung gibt es nicht. “Formate der Kunstvermittlung“ ist konzipiert als Sammlung von Texten, die sich mal um praktische Beispiele und Blicke auf Schulprojekte drehen, sich anderswo auf Theorie zurückziehen – in erster Linie ist es für Fachleute eine Fundgrube für die Befeuerung der Kulturdebatte. ff