Der realen Welt entrückt und neu zusammengesetzt: AINs vielschichtigen Collagen sind von heute an im Lüneburger blaenk zu sehen. Foto: ain

Zwischen Destruktivität und Schöpfung — AIN im blaenk

Lüneburg. Hin- und hergerissen zwischen dem Destruktiven auf der einen, und dem Schöpferischen auf der anderen Seite, das ist AIN, das ist ihre Kunst. Die 30-jährige Hamburgerin stellt im Rahmenprogramm des diesjährigen lunatic-Festivals im Lüneburger blaenk (ehemals Mondbasis) aus. Zu sehen sind zweidimensionale Collagen, die sich thematisch zwischen den Polen bewegen: Schwarz und Weiß, Licht und Dunkelheit, Liebe und Hass.

Analoge Defragmentierung

Sie mag doppelte Böden, sagt AIN, Zwischenwerte und Nuancierung. „Offensichtliches ist eigentlich mehrschichtig, es steckt immer mehr 'dahinter' – das liegt auch in der Natur der Collage.“

Und hierin besteht der Reiz für die studierte Kommunikationsdesignerin. Obwohl ein Kind der Moderne, ein "digital native", defragmentiert AIN die Wirklichkeit aus Fotos, Plakaten oder Zeitungen in 2017 analog, setzt die Ausschnitte in andere Kontexte und schafft damit neue Bedeutungsebenen. Mitunter duster. Und immer schonungslos.

Post-Punk und Black Metal als Inspiration

„Wenn ich arbeite höre ich meist Musik -- irgendetwas zwischen Post-Punk und Black Metal", erklärt sie ihr Vorgehen, verweist damit einmal mehr auf ihr Interesse an der Zersetzung. "Manchmal lasse ich auch einen Film im Hintergrund laufen. Die Inspiration kommt aus Erfahrungen, Emotionen, die ich damit verbinde.“ Die Wiedergeburt leitet AIN schließlich mit Finelinern, Sprühdosen oder Acryl ein. Damit fügt sie einerseits textliche Strukturen, anderseits buchstäblich ihre eigene Handschrift hinzu.

Rund vier Wochen vor Beginn des lunatic soll AINs Ausstellung "jivoyage" am Alten Kran auf das Festival einstimmen. Am 5. Mai um 19 Uhr ist Eröffnung. Während des Festival selbst, am 2. und 3. Juni, werden die Collagen auf dem Gelände der Leuphana-Mensa zu sehen sein. jdr