Markus Heitz stellt bei Lünebuch seinen neuen Roman aus dem Genre der „Urban Fantasy“ vor. Foto: t&w

Der Tod spielt das Pik-Ass

Lüneburg. Manchmal muss man einfach ein bisschen Glück haben. Als Markus Heitz seinen Fantasy-Roman „Die Zwerge“ veröffentlichte, da hatte er sich schon fast daran gewöhnt, mit Büchern allenfalls ein Taschengeld zu verdienen – so, wie es den meisten Schriftstellern geht. Aber dann verfilmte Peter Jackson den „Herrn der Ringe“, und plötzlich waren Zwerge mehr als Vorgartenwichte, sondern epische Helden. Das war Anfang der Nullerjahre, längst ist Markus Heitz, Autor von mehr als vierzig Romanen und Abenteuer-Spielbüchern, der Star der Branche. Bei Lünebuch stellte er seinen neuesten Titel vor: „Des Teufels Gebetbuch“.

Es sterben weniger Menschen als sonst

Gemeint sind Spielkarten. Im Mittelpunkt steht ein altes, rätselhaftes Kartendeck, das alle, die es in der Hand halten, in seinen Bann zieht. Natürlich gibt es allerhand Tote – „aber weniger als sonst in meinen Büchern“ , grinst Markus Heitz, der im wirklichen Leben längst nicht so gothic-horror-mäßig wirkt wie auf den Promotion-Fotos. „Des Teufels Gebetbuch“ spielt nicht in einer Welt der Zauberer, Elben und Orks, sondern hauptsächlich im Hier und Jetzt, dafür gibt es den Begriff „Urban Fantasy“.

Zu den Helden gehört Tadeus Boch: ein ehemals erfolgreicher Profi-Pokerspieler, der irgendwann zu dem falschen Drogencocktail griff und sich seither nicht mehr recht erinnert. Gesundheit kaputt, Ehe kaputt, Konto kaputt – Tadeus Boch arbeitet nun als Sicherheits-Mann im Spielcasino Baden-Baden, gerät an eine dieser Spielkarten und in eine Welt russischer Oligarchen, in der sehr viel Geld und sehr wenig Skrupel eine Rolle spielen. Der Sohn eines Moskauer Magnaten wurde ermordet, und der Vater ist nicht zimperlich bei der Suche nach dem Täter. Tadeus Boch versucht, den dämonischen Karten auf die Spur zu kommen, sie gehören schließlich in sein Metier. Doch der Einsatz ist verdammt hoch.

Das ist ein Erzählstrang des 672-Seiten-Romans. Aber woher stammen die Karten? Die Erzählung führt zurück ins Jahr 1768, nach Leipzig, in Auerbachs Keller, zu dem jungen Goethe – und zu einem Pudel, womit wir bei Mephisto, bei „Faust“ wären. In dieser Zeit liegen die Ursprünge der Kunst, Pik-Könige und Herz-Damen in vollendeter Schönheit zu drucken. Doch anscheinend ging es nicht nur um edle Drucke, sondern vermutlich auch um Schwarze Magie.

Nur ein paar Monate bis zum fertigen Buch

Markus Heitz, der einst Germanistik und Geschichte studierte, als freier Journalist bei der Saarbrücker Zeitung arbeitete, hat die Ursprünge des Kartenspiels recherchiert. Sie liegen wohl in Asien, schließlich gehörte die Fähigkeit dazu, Papier herzustellen. Fest steht: 1367 wurde es in Bern verboten, das ist die erste verlässliche historische Quelle, und bis Ende des 14. Jahrhunderts stand es allerorts auf der schwarzen Liste – zu viele Menschen hatten sich beim Zocken ruiniert. Die Kirche veranstaltete rituelle Verbrennungen von Spielkarten, aus dieser Zeit stammt auch der Begriff „Gebetbuch des Teufels“.

Besonders gefährlich ist offensichtlich das Pik-Ass, es geistert immer wieder als „Todeskarte“ durch die Geschichte – bei Robert Louis Stevensons Erzählung „Der Selbstmörderklub“ beispielsweise, zuletzt in einem Song von Motörhead, nun bei Heitz, der zu dem Roman ein Kartenspiel (mit überschaubaren Spielregeln) anbietet.

Markus Heitz, Jahrgang 1971, wurde in Homburg geboren und lebt dort auch heute – ein manischer Schreibarbeiter, der täglich, wie er dem Lünebuch-Publikum erzählte, zwei Liter Schwarzen Tees trinkt, von der ersten Idee bis zur definitiven, mehrfach durchlektorierten Endfassung vier, maximal sechs Monate benötigt. Er ist längst beim übernächsten Buch, da gibt es so viele Baustellen, die alle besucht werden wollen – die „Legenden der Albae“ beispielsweise, die „Ulldart“-Reihe, die „Shadowrun“-Romane. Der nächste Heitz – „Wédora: Schatten und Tod“ – erscheint im August.

Von Frank Füllgrabe