Donnerstag , 1. Oktober 2020
Anna (Sarah Hanikel) ist hingerissen von den Erzählungen des Zirkusdirektors (Burkhard Schmeer), hinten lauscht skeptisch der Regierungsrat (Steffen Neutze). Foto: kozycki/theater

Das Feuerwerk: T.NT zeigt Komödie von Paul Burkhard

Lüneburg. Der Zirkus kam am 9. September auf die Sülzwiesen. Dort hatte 1995 das Theater Lüneburg ein Zelt aufgeschlagen, denn das Haus an der Lindenstraße gehörte für ein Jahr den Maurern, Malern, Zimmerleuten. Was passt besser in ein Zelt als eine Operette mit Zirkusdirektor, sagte sich Intendant Jan Aust und bat Anton Nekovar, Regie zu führen. Es wurde ein Erfolg, aber seither war es in Lüneburg still um den Zirkusdirektor Obolski in Paul Burkhards „Feuerwerk“. Nun britzelt es wieder, wenn auch im Kleinformat, im T.NT, ab Sonnabend, 1. April.
Nebenan im Großen Haus spielen an diesem Abend die Lüneburger Symphoniker ein Meisterkonzert. Operette ohne Orchester, ist das nicht wie Schampus ohne Prickel? Intendant und Regisseur Hajo Fouquet hält dagegen: „Robin Davis spielt Klavier wie zwei Orchester.“

Fouquet, Davis und das Team auf der Bühne stecken das kleinformatige „Feuerwerk“ an. Klein heißt aber nicht weniger bunt, und es dürfte hoch hergehen beim Fabrikanten Albert Oberholzer, der zu seinem 60. alle eingeladen hat, nur seinen Bruder Alexander nicht, das schwarze Schaf, den Zirkusdirektor. Der kommt trotzdem.

Alles, was wichtig ist, bleibt drin

Es wird also voll bei der Oberholzer-Party, es wird entsprechend voll auf der Studiobühne. „Aber es passt alles locker“, sagt Fouquet. Im T.NT hat es in jüngerer Zeit wiederholt Operetten im Kurzformat gegeben. Die Abende kamen durchweg gut an.
Brannte das „Feuerwerk“ 1995 noch zwei und eine halbe Stunde, so sprühen bei Fouquet/Davis die Funken in gut 65 Minuten. Dann ist alles gesagt und vor allem alles gesungen, was bekannt ist aus der musikalischen Komödie – allen Liedern voran „O mein Papa“.

Der Schweizer Paul Burkhard (1911-1977) hatte das Stück 1939 in Zürich uraufgeführt, unter dem Titel „Der schwarze Hecht“. Als Textvorlage diente die einaktige Mundart-Komödie „De sächzigscht Giburtstag“ von Emil Sautter. Erst 1950 bekam Burkhards musikalisches Lustspiel, eine hochdeutsche Fassung und dazu den bis heute bestehenden Titel. „Das Feuerwerk“ kam im Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz zur (Ur-)Aufführung. In der Schweiz ist die Mundart-Variante bis heute präsent.

Die kurze, bündige Fassung im T.NT ist natürlich auf norddeutsche Ohren zugeschnitten. Hajo Fouquet sagt: „Wir haben das Stück zusammengeschnitten, dass es lebendig bleibt.“ Die Produktion versteht Fouquet zugleich als Reverenz an den Chor des Theaters. Fast alle Solopartien werden von Mitgliedern des Chors gesungen. Mit dabei sind Marcus Billen, Elke Tauber, Sarah Hanikel, Wlodzimierz Wrobel, Dobrinka Kojnova-Biermann, Volker Tancke, Kirsten Patt, Alexander Panitsch, Astrid Gerken, Steffen Neutze – und Signe Ravn Heiberg als Iduna, die Frau des Zirkusdirektors.

Ein paar Gäste kommen hinzu, das sind Burkhard Schmeer als Alexander Oberholzer alias Zirkusdirektor Obolski und Claudine Tadlock als Köchin Kati. Für die Ausstattung sorgt wie immer bei Fouquet-Inszenierungen Stefan Rieckhoff.

Der Vorverkauf läuft gut, die Premiere am Sonnabend um 20 Uhr ist schon lange ausverkauft, auch die folgenden Vorstellungen sind schon zu 60 Prozent gebucht.

Von Hans-Martin Koch