Janice Harrington sang als Geburtstagskind natürlich auch selbst, Saxophonist Hans Malte Witte lauscht. Foto: t&w

Sängerin Janice Harrington feiert 75. Geburtstag: Nicht ohne ein Halleluja

Lüneburg. Einer der großen Musiker, mit denen die in Cleveland/Ohio geborene und aufgewachsene Janice Harrington in den USA arbeitete, war der 2002 mit 94 Jahren verstorbene Lionel Hampton. Der legendäre Vibraphonkünstler nannte die junge Schauspielerin, Sängerin, Komponistin und Entertainerin Janice Harrington bewundernd eine „One-Women-Show!“ Dass dies heute noch gilt, bestätigte die seit 37 Jahren in Europa lebende und seit über 30 Jahren in und bei Lüneburg wohnende Künstlerin am Tag ihres 75. Geburtstags.

Soundcheck bis zum Konzertbeginn

In der St. Nicolaikirche, in der sie ihr erstes großes Lüneburger Gospelkonzert gab und damit eine Lawine weiterer Gospelkonzerte in ganz Norddeutschland und weit darüber hinaus auslöste, tanzte und feierte Janice Harrington-Gürtler mit Gästen, jubelnden Fans und Dutzenden Musikern aus Lüneburger und auswärtigen Solisten, Bands und Chören. Mit unzähligen Instrumentalisten hat Janice Harrington gespielt, geladen waren viele, darunter die Musiker der Low Down Wizards, der Farmersroad Blues Band, der Mockingbird Jazzband und andere, auch wenn manche aus zeitlichen Gründen nicht kommen konnten.

Anlässlich so unterschiedlicher Formationen dauerte der Soundcheck bis zum Konzertbeginn. Mit der „Bourbon Street Parade“ zog dann eine jener spontan gebildeten Jazzbands ein, die Posaunist Werner Gürtler gern um sich versammelt, darunter Manfred Kowalewski (Banjo, Vocal), Jens Balzereit (Bass), Dieter Borchardt und Dylan Vaughn (Gitarre).

Songs von Duke Ellington und Ray Charles

Und Werner Gürtler ergriff das Wort, sagte zusammen mit Janice denjenigen Dank, die seit Jahrzehnten Jazz und Gospel in der Kirche fördern. Zum Glück habe Janice ihn vor über 30 Jahren geheiratet. Zum Glück sei sie in diese Region gekommen, mit ihrem Organisationstalent, ihrem engagierten Einsatz für Jazz, Blues und Gospel, für Workshops, die Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern zugänglich sind.

Orleans-Jazz, Swing und Dixie folgten Traditionals und Mainstreamjazz, Gürtlers Posaunen-Solo „Happy Birthday“, Bluesballaden, Gospel. Namen wie Duke Ellington oder Ray Charles waren unter den Komponisten der Titel. Das Publikum klatschte mit, immer wieder animiert von Janice Harrington – „I love my Publikum!“. Sie sang natürlich auch einige Titel selbst, Billie Holidays „Mamma says“ beispielsweise, oder Ella Fitzgeralds „I got Rhythm“, begeisterte mit fester, großer Stimme.

Die Bands formierten sich neu, Gürtler stets dabei. Dazu kamen die Pianistin Amelie Zapf aus Berlin, die Saxophonisten Hans Malte Witte aus Lüneburg und Bernt Brink-Johnsen aus Norwegen, Lars Plogschties (Schlagzeug) und Tabbel Dierßen (Bass). Geburtstagsständchen ehrten Janice Harrington als Musikerin, Produzentin und Festival-Organisatorin: Die sechs „Charmonia“-Herren aus Echem realisierten solche „op platt“, die Elmshorner Farmersroad Blues Band spielte munter auf, samt „My Pony‘s-Boogie“, gesungen von Leuphana-Professor Dr. Joachim Merz.

„Oh when the Saints“ als gemeinsames Finale

Eggo Fuhrmann, der auf dem von Harrington 1993 organisierten 1. Norddeutschen Gospel- und Spiritual-Festival seine Karriere als Gospelexperte startete, bot mit Hausband und seinem Adendorfer Gospelchor lebensfrohe Gospels. Mitglieder des von Harrington mitgegründeten Projektchors „German Folk and Gospel Choir“ gratulierten u. a. mit dem Kanon „Dona nobis pacem“. Einer der Höhepunkte war sicher das von Ben Boles gesungene, vom Publikum mitgesummte „Halleluja“. Und der Ohrwurm „Oh when the Saints“, zum Schluss von vielen Musikern gemeinsam zelebriert.

Von Antje Amoneit