Samstag , 26. September 2020
Der Lloyd-Webber-Musicalklassiker „Evita“ zählt aktuell zu den erfolgreichen Produktionen im Theater. Foto: theater/ tonwert21.de

Die Zukunft des Theaters bleibt wackelig

Lüneburg. Das Theater erfreut sich nach wie vor großer, sogar leicht steigender Beliebtheit. Kaum eine Bühne wirtschaftet im bundes- und la ndesweiten Vergleich besser, trotzdem bleibt das Problem mit dem Geld, ein Problem, das aus eigener Kraft nicht gelöst werden kann. Deutlich wird die Situation im Bericht für das Geschäftsjahr 2015/16, den Theater-Geschäftsführer Volker Degen-Feldmann am Mittwoch, 8. März, dem Wirtschaftsausschuss des Rates vorlegen wird. Am Ende des Jahres steht ein – letztlich moderater – Fehlbetrag von 20.591 Euro.

Das Theater spart, wo es kann. So wurde eine Produktion des Schauspiels gestrichen, was rund 50.000 Euro einspart. Trotzdem ist es gelungen, die Besucherzahl zu steigern, um exakt 1357 auf insgesamt fast 106.000. Seit 2012/13 erhöhte sich die Besucherzahl damit um mehr als neun Prozent. Das kann nicht in jedem Jahr so laufen, aber mehr als 100.000 Besucher sind immer ein Wunschziel des Theaters.

Die laufende Spielzeit wird bis jetzt sehr gut angenommen

Es sieht – bis jetzt – auch für die laufende Saison gut aus. „Wir dürfen hoffen“, sagt Intendant Hajo Fouquet in aller Vorsicht, „wieder ein ähnlich gutes Ergebnis zu erreichen.“ Aktuelle Renner der laufenden Saison sind „Frau Müller muss weg“ (letzte Vorstellung am 11. März), „Evita“ (wieder am 7. März) und „Im weißen Rössl“ (letzte Aufführung am 19. März).

2015/16 wurde das Streichen der Schauspielproduktion weitgehend aufgefangen. Zum einen durch Übernahmen aus dem Vorjahr, zum anderen durch zusätzliche Vorstellungen gefragter Produktionen. Das waren etwa „Anatevka“, „Kiss Me Kate“ und der Ballettabend „Flügelschlag“. Im Großen Haus liegen die Daten stabil, unterm Strich steht ein Plus auf statistisch 437,8 Zuschauer pro Vorstellung gegenüber 434,6 im Vorjahr.

Umsatzerlöse sind gestiegen

Zu den guten Besucherzahlen trugen wesentlich das Weihnachtsmärchen, das T.3 und Gastspiele etwa im T.NT bei. Das T.3 als Ort für Kinder- und Jugendstücke steigerte seine Besucherzahl enorm, um fast 2000 auf mehr als 16.000. Als Zielzahl wurde bei der Eröffnung eine Marge von 10.000 ausgegeben. „Dass wir auf den kleineren Bühne mit ihren besonderen, auch unkonventionellen Angeboten solchen Zuwachs haben, zeigt uns, dass wir breitere Publikumsschichten erreichen. Das freut uns sehr“, sagt Fouquet.

Gestiegen sind durch die höhere Besucherzahl und eine Steigerung der Kartenpreise die Umsatzerlöse. Wie Lüneburg dasteht, macht der Vergleich deutlich. Der Zuschuss pro Besucher liegt in Lüneburg bei 62,60 Euro. Im Bund beträgt er 121,10 Euro, im Land 110,47 Euro. Bei anderen Richtwerten wie dem Einspielergebnis liegt Lüneburg ebenfalls weit besser als der Schnitt.

Minus bleibt Minus

Im Wirtschaftsplan hatte Degen-Feldmann noch mit einem Verlust von 181.000 Euro kalkuliert. Das erzielte Ergebnis mit gut 20.000 Euro Verlust ist also um rund 160.000 Euro besser als befürchtet ausgefallen. Aber Minus bleibt Minus. Das Theater hofft weiter, dass im zuständigen Landesministerium etwas getan wird, um die kommunalen Theater besser abzusichern. Für Lüneburg gilt: „Aus heutiger Sicht ist die Liquidität bis zum Ende des Jahres 2017 gesichert.“ Die Perspektive bleibt düster: Für 2016/17 prognostiziert Degen-Feldmann einen Fehlbetrag von 120.000 Euro, der sich bis 2020/21 auf 463.000 Euro aufschaukelt. Das wäre tödlich.

Der Vertrag mit dem Land läuft bis 2018. Gemindert wurde die prekäre Lage durch einmalige Zuschüsse über die „politische Liste“. Das sind Mittel, die von den Fraktionen verteilt werden können. Die Abgeordneten sehen den Handlungsbedarf. Nicht gelungen ist es aber, diese Einmalsummen bei Ministerin Gabriele Heine-Kljajic (Grüne) zu verstetigen. Im Lagebericht des Theaters heißt es: Die Trägergesellschaft des Theaters „ist jedoch auf eine deutliche Erhöhung der derzeitigen Bezuschussung sowie den vollständigen Ausgleich der Mehrkosten für Tarifsteigerungen durch das Land und die kommunalen Träger angewiesen, um zum Ende der Vertragsperiode bis 2018 keine existenziellen Finanzierungsprobleme zu bekommen.“

Von Hans-Martin Koch

Etat-Kernzahlen

Der Etat des Theaters lag im Wirtschaftsjahr 2015/16 bei 8,9 Millionen Euro. 6,8 Millionen kommen in etwa zu 50 Prozent vom Land, zu 50 Prozent von Stadt und Kreis.

Mit Umsatzerlösen von gut 1,5 Millionen Euro füllt das Theater die Kasse auf, sonstige betriebliche Erträge von 515 000 Euro kamen für Baumaßnahmen ins Haus.