Clowns und Komödianten gastieren am Sonnabend im Schauspielhaus Uelzen, wieder gilt: fünf Plätze sind für die Kultutafel reserviert. Foto: nh

Freikarten für Theater, Kino und Konzerte

Von Frank Füllgrabe
Uelzen. Der Mensch muss regelmäßig essen und trinken, um zu überleben. Aber neben dem Körper braucht auch die Seele ab und zu ihre Nahrung -- Musik zum Beispiel, Kunst oder Theater. Mittlerweile haben sich neben gemeinnützigen Organisationen wie den "Tafeln", in denen es also um die Grundausstattung mit Kalorien geht, auch "Kulturtafeln" etabliert. Die Idee ist einfach, erfordert solide Organisation und läuft dann um so erfolgreicher. Das zeigt das Uelzener Modell, im Mittelpunkt steht das Theater an der Rosenmauer.

Nur auf Bilanzen schauen, das ist zu wenig

Betrieben wird die Bühne mit den 97 Plätzen von einem Trägerverein. Der hatte sich nach dem Tod von Theatermacher Rainer Schamuhn, dem irrlichternden Tausendsassa, gegründet, das Haus renoviert und auch organisatorisch nach und nach auf solide Beine gestellt. "Heute haben wir 50 Veranstaltungen im Jahr mit insgesamt rund 3000 Besuchern", so Johannes Vogt-Krause vom Geschäftsführenden Vorstand, der das tägliche Geschäft managt. Das Programm für 2017 -- Konzerte, Kabarett, Comedy, Lesungen -- ist längst unter Dach und Fach, der Rubel muss rollen, schließlich bekommen die (ehrenamtlich arbeitenden) Betreiber keinen Cent Zuschuss; zum Vergleich: Theater in öffentlicher Hand werden im Schnitt zu 80 Prozent subventioniert.

Verein mit heute 56 Mitgliedern

Aber nur auf die Bilanzen schauen, das war dem Verein mit seinen heute 56 Mitgliedern dann doch zu wenig. Auch diejenigen sollten das Neue Schauspielhaus Uelzen besuchen können, die kein Geld für den Eintritt haben. Es bleiben immer mal Plätze frei, die lassen sich vermitteln. "Aber es geht nicht darum, Tickets zu verschenken, die wir ohnehin nicht losgeworden wären", so Johannes Vogt-Krause. "Grundsätzlich verschenken wir pro Vorstellung bis zu fünf Karten, auch wenn der Abend ausverkauft ist." Im März 2016 wurde die Kulturtafel gestartet, nach etwas zögerlichem Anfang stieg die Nachfrage. Bisher verschenkte der Trägerverein 126 Karten -- bei einem Preis von durchschnittlich 17,50 Euro macht das rund 2200 Euro. Es gibt noch eine Rechnung: Zehn Veranstaltungen wären definitv ausverkauft gewesen, da wurden fünfzig Tickets für 20 Euro verschenkt, macht 1000 Euro, die im Etat durchaus fehlen.

Die Uelzener Kulturtafel ist ein komplexes System, sie gilt nicht nur für das kleine Theater. Mit im Boot sitzen etwa der Kulturkreis Uelzen, das Central-Theater (ein Kino) und das Mobile Kino Niedersachsen in Bad Bevensen, manche Tickets werden auch zu stark ermäßigten, eher symbolischen Preisen herausgegeben. Auf der anderen Seite stehen die Organisationen, in denen die Karten vermittelt werden -- der Paritätische etwa, das Rote Kreuz, die JVA, die Woltersburger Mühle (die neben der Kulturtafel auch bei der "normalen" Tafel federführend ist), und das Haus Achtum.

System von Patenschaften

Vernetzt sind all diese Organisationen auch durch ein System von Patenschaften. Am Anfang war es gar nicht so leicht, an diejenigen heranzukommen, die sich über Freikarten besonders freuen könnten,, die Schwellenangst, sich beispielsweise in ein Theater zu trauen, ist nicht zu unterschätzen. "Da sind Menschen dabei, die haben noch nie etwas geschenkt bekommen", so Vogt-Krause. Entscheiden müssen sich die Betreffenden allerdings schon irgendwann, sieben Tage vor der Vorstellung werden die übrig gebliebenen Karten in den Verkauf gegeben. Auch wichtig: Die Tafel-Tickets gelten immer wieder für andere Stühle.