Sonntag , 27. September 2020
Spartacus (Georg Becker) hat Rücken, Bertha (Beate Meyer) packt mal zu. Foto: theater/t&w

Niederdeutsche Bühne Sülfmeister feiert Komödien-Erfolg

Von Hans-Martin Koch
Lüneburg. Emma Feddersen war ja mal ein echter Star. Das liegt leider lange zurück. Geblieben ist ihr eine große Wohnung mit schniekem Salon. Aber nun ist sie ein bisschen alt und braucht das Geld. Also vermietet sie Zimmer und führt seither ein Vier-Mädel-Haus. Dass die vier Damen so ihre Spezialitäten und Extrawünsche haben, das zeigt die Niederdeutsche Bühne Sülfmeister im T.NT so amüsant und treffsicher, dass auch der hochdeutsch gepolte Besucher seinen Spaß hat. Der Stücktitel passt: „Hier sünd Se richtig“.

Der Text stammt von Marc Camoletti (1923-2003), einem Franzosen, dessen Boulevardstücke auf großen und kleinen Bühnen funktionieren. „Boeing-Boeing“ gehört dazu und „Die Perle Anna“. Camoletti bedient das Schwank-Genre traumhaft sicher und nutzt dazu Verwechslungen. Die führen, seitdem es Theater gibt, als ideales Mittel zum Ziel. In „Hier sünd se richtig“ (Original: „La Bonne Adresse“) gibt es davon reichlich, denn jede der Damen gibt ohne Wissen der anderen in der Zeitung eine Anzeige auf, mit sehr unterschiedlicher Absicht.

Emmas Mieterinnen sind etwas exzentrisch

Tanja Scheele arbeitet bei ihrer ersten Regie-Arbeit die Schrullen der Damen deutlich heraus und lässt ebenso souverän Pointen prasseln samt „running Gag“ namens VSF. Was das Kürzel bedeutet, wird an dieser Stelle nicht verraten.

Susanne McLeod hat die Bühne liebevoll eingerichtet, das Kay-Horsinka-Team Frau und Mann treffend angezogen. Die Kerle im Stück müssen allerdings alle die Hosen runterlassen. Doch darauf rutscht die Inszenierung nicht aus, es wird nicht glitschig.

Emma Feddersen also ist die Vermieterin, präzise dargestellt von Regina Stahn, die ihre Emma von der Vergangenheit schwärmen lässt und die der Wunsch nach mehr Ruhe umtreibt. Frau Feddersen sucht per Annonce eine Familie als Gesamtmieter, damit sie die exzentrischen Mieterinnen los wird. Vielleicht ja auch ihr ziemlich respektfreies Hausmädchen Bertha. Das spielt Beate Meyer, und niemand auf der Bühne setzt Dialogwitz so trocken wie sie! Die Bertha will auch weg, sie will einen Kerl und sei es über eine Anzeige.

Nächste Vorstellung am Freitag

Die Exzentrischen: Das sind Anne Schoolmann als überspannte Malerin, die einen muskulösen Spartacus als Modell sucht, und Mareike Allerding als jungfernhaft gestrenge Klavierlehrerin mit Mangel an Schülern. Beiden Darstellerinnen gelingen skurrile, aber durchaus realitätsnahe Figuren.

Die Herren passen alle ideal in die Zeit, in der das Bakelit-Telefon das Maß aller kommunikativen Dinge war. Georg Becker als angeberischer Modell-Muskelmann, Jürgen Schmidt als alkoholfreudiger Heiratskandidat, Johannes Möddel als paddeliger Miet-Interessent und Klaus Dieter Bossow als schwungvoller Klavierschüler ihnen macht das Spielen so viel Spaß wie das Spiel den Zuschauern.

Dass alle nach und nach eintrudelnden Kerle nach dem Klingeln in der Wohnung an die falsche Frau geraten, sorgt für die fröhlichen Missverständnisse, bei denen das Publikum mehr weiß als die Bühnenfiguren. Das steigert das Vergnügen und mündet in langen, wohlerspielten Applaus.

Nächste Vorstellung: Freitag, 24. Februar, 20 Uhr.