Dienstag , 29. September 2020
Wo kommt was hin? David Chinyama (links) und Flatter Zenda habe sich ausgebreitet, um erst einmal eine Übersicht über ihre Bilder zu bekommen.

Ausstellung „Journey of life“ bei der Avacon

Von Frank Füllgrabe
Lüneburg. Afrika? Bürgerkrieg und Kindersoldaten, IS-Terror, Flüchtlingswellen über das Mittelmeer, und nicht wirklich jeder Flüchtling, der Europa erreicht, ist ein friedfertiger Humanist: Unsere Assoziationen von Afrika sind momentan nicht gerade positiv besetzt. Es gibt auch eine andere Seite nicht nur exotisch schön, aber eben doch von normalem menschlichen Erleben geprägt. „Journey of life“ ist der Titel einer Doppel-Ausstellung bei der Avacon, die mit Mitteln der Malerei diese Seite beleuchtet.

Flatter Zenda und David Chinyama, 1987 beziehungsweise 1976 in Simbabwe geboren, studierten Kunst, gewannen Preise, sind also Teil des modernen Kunstbetriebs. Auf der anderen Seite haben ihre Arbeiten viel mit dem unmittelbaren Erleben der Landschaft und ihren Menschen zu tun. David Chinyama lebte auf einer Farm, wuchs unter kargen Bedingungen in einer kinderreichen Familie auf. Er war bereits als Teenager von den Möglichkeiten der Malerei fasziniert und schaffte es (gegen den Widerstand der Angehörigen) tatsächlich, mit der Kunst das Dasein zu gestalten.

Geschichten durch Farbe erzählen

Flatter Zenda schwärmt für die Natur der Heimat und nennt einen konkreten auslösenden Moment: „Die beeindruckende Stärke des Windes und der zugleich elegante Flug der Vögel spiegelten für mich in ihren Gegensätzen Gottes wunderbare Schöpfung wider. Für mich war klar: Diesen ergreifenden Moment möchte ich für die Ewigkeit festhalten.“

Mit romantischer Schwärmerei haben die Bilder aber nichts zu tun. „Telling stories through colours“, Geschichten durch Farbe erzählen, das ist David Chinyamas Programm. Er benutzt keine Pinsel, sondern Farbroller, mischt Öl, Acryl und vielleicht Sand, geht intuitiv und spontan vor. Das sind dann auch entsprechend bewegte Szenarien, die mal von dem berühmten Licht der Savanne künden, mal von Menschen auf dem Land oder auf dem Markt, von ihrer direkten Lebensart, dabei schwingt immer ein poetischer Unterton mit. Chinyama spricht von der „unbeschreiblichen Schönheit der Welt mit all ihren Ungerechtigkeiten“, das ist auch als Befreiungsschlag gemeint, als „Ausbruch aus den Mauern der Philosophien und der Theorie der Lehrbücher“.

Flatter Zenda arbeitet formal konkreter, komponiert mehr, setzt scharfe Konturen als Akzente, meist ist es natürlich auch hier der Mensch in seinem Lebensumfeld. Es gibt viele ruhige, lakonische, auch verstörende Momente, Flüchtlings-Motive beispielsweise. Gesichter haben seine Protagonisten nicht: „Faces must show a colour of a race“, Gesichter weisen den Menschen einer Rasse zu, und solche Unterscheidungen will Zenda vermeiden aus Respekt vor dem Menschen an sich, warum sollte die Herkunft wichtig sein?
Zum Einsatz kommen auch hier Mischtechniken, die Bilder passen gut zueinander, es ist auch nicht die erste gemeinsame Ausstellung der beiden Maler. „Journey of life“ ist bis 21. April zu den Öffnungszeiten der Avacon zu sehen.

Hunger, Arbeitslosigkeit, Energieknappheit

Übrigens: Simbabwe , das ehemalige Südrhodesien, ist ein Binnenstaat im südlichen Afrika. Wikipedia: Das Land wird von Robert Mugabe, der 1980 erstmals zum Premierminister und 1987 zum Präsidenten gewählt wurde, diktatorisch regiert. In Simbabwe sind Hunger, Arbeitslosigkeit, Energieknappheit und Binnenflucht weit verbreitet.

Vor diesem Hintergrund bekommen die Bilder (die nicht zwingend in dem Lande angesiedelt sein müssen) noch einmal zusätzliche Leuchtkraft.