Mittwoch , 30. September 2020
Luc Wolff (links) und Andreas von Ow haben die Galerie des Kulturforums mit ihren Mitteln erobert. Foto: ff

Von der Wand aus den Raum erobern

Lüneburg. Luc Wolff und Andreas von Ow stellen gemeinsam in der Galerie des Kulturforums Gut Wienebüttel aus. Meist ist es bei Doppel-Ausstellungen damit getan, sich darauf zu einigen, wer wo seine Arbeiten hinhängt beziehungsweise hinstellt. Aber hier ist es komplexer. Denn „surrounding“, kuratiert von Sebastian Dannenberg in den Diensten des Lüneburger Kunstvereins, hatte ein großes Ganzes im Blick.

Vier große Räume gilt es zu bespielen. Da ist Platz an den Wänden, aber die Galerie funktioniert hier nicht als „white cube“, als klinisch sauberer Raum zur Präsentation der Arbeiten, sondern die Wände gehören, der Titel deutet es an, zur Präsentation. Sie wurden in einigen Fällen neu gestrichen, was das Raum-Erleben erheblich beeinflusst. Und was da an der Wand hängt, das sind auch keine Gemälde im engeren Sinne.

Andreas von Ow jedenfalls hängt seine Arbeiten, oft mehrere Quadratmeter groß, in einigem Abstand zum Gemäuer, weshalb nun die Grauzone dazwischen mit dazugehört und in Richtung Objektkunst führt. Mit dazu gehört auch die Aufhängung, der Bildträger darf ein wenig im Windzug pendeln. Auf diese bewegten Flächen setzt Andreas von Ow lasierende (transparente) Flächen in großer Zahl, die Farben stammen etwa von der Ligusterbeere, auch hier geht es also über die Malerei an sich hinaus.

Luc Wolff orientiert sich enger an der Malerei, gibt seinen Bildern konkretere Struktur und Rhythmen, aber die Ordnung ist unaufdringlich, die Arbeiten sind zurückgenommen, ordnen sich mehr in den Kontext ein. Und der besagt nun mal, dass – zumindest innerhalb eines Raumes – alles miteinander zusammenhängt. Das ist ein Spiel mit Komplementärfarben, mit Format-Abstufungen, mit dem Nebeneinander und Gegenüber.

„Surrounding“ ist die erste gemeinsame Präsentation der beiden in Berlin lebenden Künstler. Luc Wolff, Jahrgang 1954, studierte zunächst Landschaftspflege, dann Kunst, unterhält Ateliers in Berlin und Luxemburg. Er nahm Vertretungsprofessuren wahr und gestaltete eine lange Reihe von Ausstellungen im In- und Ausland. Andreas von Ow, Jahrgang 1981, eine andere Generation also, studierte an der Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe.

Die Ausstellung des Kunstvereins ist noch bis 5. März geöffnet, jeweils freitags und sonnabends von 15 bis 18 Uhr, sonntags 11 bis 16 Uhr. ff