Miss Marple in der Brick Punk-Version. Foto: nh

Mit dem Brick Punk Bauklötze staunen

Lüneburg. Frank Füllgrabe stellt 50 Prozent der Kulturredaktion der Landeszeitung dar. Da ist dann ja noch Luft. Sicher, Familie is great, Hunde wollen raus. Aber Frank Füllgrabe spielt außerdem Gitarre, gibt Konzerte mit eigenen Stücken – und sammelt Legosteine. Er baut mit ihnen Zitate aus Kunst- und Filmgeschichte nach, inszeniert die fertige Plastik, fotografiert sie, zerstört sie und geht Neues an. In jüngerer Zeit reizen ihn Porträts. Brick Punk nennt er seine zweite große Ausstellung, sie ist bis 10. März bei Lünebuch zu sehen.

Es ist ein Spiel zum Wiedererkennen, fast ist es schade, dass die Namen der rund 30 Bilder gleich daneben zu lesen sind. Es finden sich in der Ausstellung Caspar David Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“ und Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“. Filme von „Blade Runner“ bis „Fitzcarraldo“ werden zitiert. Bei den Porträts reicht die Spanne von Miss Marple, die (fast) in klassischem Schwarzweiß gezeigt wird, bis zum Dichterfürsten Goethe.

Das Banale und das Bedeutsame

Kunst und Lego, da geht seit längerem einiges. In Hamburgs HafenCity zeigte der Amerikaner Nathan Sawya seine verklebten Monumentalplastiken, den Vermeer hatte er auch am Wickel. Ai Wei Wei bekam Stress mit dem Lego-Konzern, weil der ihm keine Steine verkaufen wollte, da die Kunst des Chinesen politisch sei und Lego unpolitisch. Es ging um Lego-Porträts von Bürgerrechtlern. Im Kino läuft gerade die Lego-Fassung von „Batman“ – besseres Marketing für die bei Insidern einfach „bricks“ genannten Legosteine gibt es nicht. Im Internet findet sich die Geschichte eines Duisburger Studenten, der ebenfalls mit Lego Kunstwerke baut, wie Sawya ins Monströse zielt.

Bei Frank Füllgrabe sind die Steine der Weg zum Foto. Das, was er macht, das macht sonst keiner.
Die Inszenierung und das Fotografieren bilden von der Zeit her den weniger aufwendigen Part nach rund acht Stunden für Konstruktion und Bau. Am Ende bekommt bei „Fitzcarraldo“ das Schiff den Berg, über den es ja auch im Film muss. Bei „Emil und die Detektive“ wird Buchtext hinterlegt, und so lassen sich bei vielen Bildern weitere Bezüge zum Thema finden.

Brick Punk ist eine Tüftelei und Spielerei und zugleich ein Spiel damit, was bedeutsam ist und was banal. Bleibt etwas von der Dramatik oder der Ausstrahlung des Originals, wenn es in zwangsläufig vergröberter Form nachgebaut und fotografiert wird? Das prüfe jeder selbst. Einmal aber ist Frank Füllgrabe geradezu prophetisch. Er baute mal eine Szene als Zitat des Katastrophenfilms „The Day After Tomorrow“ nach – und ließ die Freiheitsstatue im Wasser untergehen. Daneben hängt jetzt ein legoisiertes Porträt von Donald Trump. Da wird plötzlich das Banale bedeutsam. Aber in erster Linie bietet die Ausstellung einen augenzwinkernden Spaß. oc

Lego-Rekorde

Die Geschichte des dänischen Lego-Konzerns beginnt 1932. Der Name „Lego“ kürzelt „leg godt“ (spiel gut). Längst ist aus kleinem Beginn ein Imperium geworden, die Bauklötze aus dem Kunststoff Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisat gibt es in allen denkbaren Varianten. Jüngstes Produkt ist „Lego Ninjago“, ein Set, mit dem ein weiterer kommender Lego-Film angezuckert wird.

Es gibt eine Fülle von Lego-Rekorden, zum Beispiel den mit 35,47 Metern höchsten Turm, errichtet aus mehr als 500 000 Steinen im Lego-Land Günzburg. Das längste Lego-Werk wurde im italienischen Grugliasco gebaut, knapp 1,58 Kilometer lang, aus mehr als 2,9 Millionen Steinen. Die meisten Klötzchen gingen drauf für ein 13 Meter hohes Modell der Londoner Tower Bridge: mehr als 5,8 Millionen Teile, verbaut in fünf Monaten. lz