Montag , 28. September 2020
Ab und zu dämpft Alexander Eissele den Ton, aber dann geht die Post gleich umso rasanter ab. Foto: t&w

Das Beste der 80er

Lüneburg. Selten geht im Theater Lüneburg derart die Post ab. Zu zwei großen rotierenden Disco-Kugeln stimmten drei Gitarristen, Schlagzeuger und Keyboarder mit „Manhattan Skyline“ den direkt die Beine elektrisierenden 80er-Sound an, da gab es schon die ersten begeisterten Pfiffe.

Und als der Organisator und Bandleader Alexander Eissele mit den Streichern der Lüneburger Symphoniker und den übrigen Musikern die Bühne stürmte, hüftschwingend den Beifall des Publikums zum Mitklatschen anheizte, um nach wenigen Takten sein Sakko ins Publikum zu schleudern, begann das auch am zweiten Abend ausverkaufte Haus zu kochen. Das Sonderkonzert „Best of 80’s – Saturday Night Fever“ gedieh im Nu zur Fortissimo-Disco.

Eissele, gewöhnlich als Klarinettist der Symphoniker auf der Bühne, entpuppte sich als kaum zu bremsende Stimmungskanone, hüpfte, klatschte, dirigierte am Pult, um sich sofort wieder umzudrehen, wenn das Publikumsklatschen nachließ, und erneut vehementes Mitmachen einzufordern. Zur bunten Bühnenlichtschau mit reichlich Dampf reagierten die Zuhörer im ausverkauften Haus meist stehend, ausgelassen tanzend, auch mitsingend.

Gefeiert wurde bis zum Feueralarm

Das enthusiastische Mitmachen der Lüneburger findet Eissele „einfach nur geil“. Entspannter sei es heute, beim zweiten Konzert, denn die Aufregung einer ersten Aufführung koste bei der Wiederholung weniger Nerven. Und nach diesem zweiten Abend gehe es partymäßig hoffentlich auch ruhiger zu als am Vortag . Denn während der späten Premierenfeier im Theaterfoyer hatten die Lichttechniker so früh die Warnmelder eingeschaltet, dass der Bühnendampf Feueralarm auslöste und das Theater kurzfristig geräumt werden musste.

Heute gelte es, ausgelassen zu genießen, sagte Eissele. Und das taten er und seine fantastische, für das Projekt zusammengestellte Band aus fast 40 Instrumentalisten. Er stellte alle Musiker vor, einige haben schon im Musical „Oliver!“ mitgespielt. Die beiden Jüngsten holte er nach vorn, den 16-jährigen Martin Löcken aus Hamburg (Solo-Saxophon) und den 14-jährigen Posaunisten Matthis Wroblewski von der Bläsergruppe der Lüneburger Musikschule.

Aus Göppingen, wo Eissele die 80er-Hits mit seiner Lumberjack-Bigband bereits aufführte, kennt er die Sängerinnen Carina Pittner und Julia Wiesberg, die „Points Means Prizes“ im Duett sangen, dazu die Backgrounds der Stücke von den Bee Gees, Earth, Wind & Fire, Chicago oder Kool & The Gang.
Restlos begeisterten die peppigen Solisten Kai Podack und Colin Rich. Podack, bekannt auch als Little Joe der A-Cappella-Formation Fünf, riss das Publikum vor allem mit seiner hohen und höchsten Stimmlage von den Sitzen. Und Colin Rich, einst bei Kool & The Gang, mixte seinem Tenor auch Basstöne hinzu.

Bis zum Schluss spielten die Symphoniker und die Band mitreißend engagiert, hochtalentiert und bis auf wenige Balladen durchgehend in höllischer Lautstärke Stücke wie „Stayin‘ Alive“, „Get Down On It“, „Fantasy“, „You’re The Inspiration“ oder „Celebration“. Für den „Jungle Boogie“ zog Eissele sich gar ein Affenkostüm an, der Sax-Gruppe genügten Masken und Langhaarperücken. Die Zugaben tanzten viele aus dem Publikum auf der Bühne mit.
Alles in allem: ein Riesenspektakel, ein Riesenspaß.

Von Antje Amoneit