Samstag , 26. September 2020
Regisseurin Tanja Scheele präsentiert das Ensemble, in der Gruppe fehlt Anne Schoolmann. Foto: ff

Jeder gerät an die Falsche

Lüneburg. Lampenfieber kennt Tanja Scheele zur Genüge: Eine Woche vorher geht es los, und das richtig heftig – und zwar wenn ein Marathonlauf ansteht, oder gar ein Triathlon. Bei einer Theateraufführung dagegen bleibt die Lüneburgerin locker, sie liebt die Bühne, den eigentümlichen Geruch, diese Mischung aus Holz, Staub und Schminke, die Konfrontation mit dem Zuschauer. Tanja Scheele kann man als „Rampensau“ bezeichnen, das Wort gilt in der Branche als Kompliment. Am Freitag, 17. Februar, feiert sie im T.NT-Studio doppelte Premiere: Da spielt – erstmals in ihrer Regie – die Niederdeutsche Bühne Sülfmeister die Komödie „Hier sünd Se richtig“.

Vier Frauen leben gemeinsam unter einem Dach, alle vier haben ein Problem und geben eine Zeitungs-Anzeige auf. Der ehemalige Revue-Star Emma sucht einen Nachmieter, die Malerin Gabriele ein knackiges Model, die Musikerin Cäcilie einen Klavierschüler, und das Dienstmädchen Bertha den Mann fürs Leben. Dummerweise sind alle Annoncen so anonym formuliert, dass es nun in der Damen-WG wild durcheinandergeht, weil natürlich alle Bewerber erstmal an die Falsche geraten, was wiederum eine schöne Fülle von Missverständnissen und Peinlichkeiten nach sich zieht.

Eine echte Boulevardkomödie

Eine echte Boulevardkomödie also, ein Schwank in drei Akten, 1968 veröffentlicht von Marc Camoletti, von Gerd Meier ins Plattdüütsche übersetzt. Auf der Bühne vier Frauen und vier Männer – Tanja Scheele steht ein Team von erfahrenen und ein paar jungen Darstellern zur Verfügung: Regina Stahn, Beate Meyer, Anne Schoolmann, Mareike Allerding, Georg Becker, Jürgen Schmidt, Johannes Möddel und Klaus-Dieter Bossow, als Souffleuse hilft Barbara Weßler, Thomas Schulz sorgt für Licht und Ton; Maske: Martina Ewigleben und Gabriele Kuhnt-Schulz. Gespielt wird in einem sehr weiblichen, ein klein wenig heruntergekommenen Ambiente, angesiedelt irgendwo in den 70er-Jahren.

In dieser Zeit wurde Tanja Scheele gerade geboren. Ihr erstes Bühnenengagement war noch keine Traumrolle – der Jäger in „Schneewittchen“, gespielt mit drei oder vier Jahren im Kindergarten. Lieber wäre Tanja die Titelrolle gewesen. Ernster zu nehmen waren die Theater-AG in der Schule und die Teilnahme am Chor des Theaters Lüneburg. Tanja Scheele lernte Zahnarzthelferin, „mein ganzes Ausbildungsgeld habe ich für den Schauspielunterricht am Samstag ausgegeben“, schließlich wurde sie mit 20 Jahren an der Schauspielschule Hamburg aufgenommen.

Erste Regie-Arbeit von Tanja Scheele

Aber irgendwann wurde es doch zu viel, der Beruf als medizinische Sachbearbeiterin war wichtiger – bis Thomas Ney für seine Loriot-Sketche Darsteller suchte. Tanja Scheele ließ sich von ihrer Schwester zum Casting überreden – und da war dann plötzlich wieder diese Faszination, diese Theater-Aura. 2008 wurde sie schließlich Mitglied bei den Sülfmeistern, lernte dafür Plattdüütsch bei Resi Kuhnt. Und so ein richtig dramatisch großes Publikum hatte sie zwischendurch auch, in Hamburg, bei dem Auftritt auf einer Betriebsfeier – dafür hatte die Firma mal eben des Musicalzelt für den „König der Löwen“ gemietet.

Zuletzt spielte Tanja Scheele bei den Sülfmeistern „De beste Daag“ und „Mondscheintarif“ – keine Ohnsorg-Klassiker, sondern eher moderne Stücke, das würde sie gern ausbauen, auch mit Blick auf die Altersstruktur im Publikum. Nun also das Regiedebüt mit „Hier sünd Se richtig“, der Fach-Wechsel fiel ihr leicht, „ich habe schon immer ziemlich klare Vorstellungen gehabt, wie etwas auf der Bühne aussehen und ablaufen soll. Und die Schauspieler sind wirklich eine tolle Truppe.“

Insgesamt 14 Vorstellungen (jeweils freitags und sonnabends um 20 Uhr, sonntags um 16 Uhr) sind vorgesehen, für die ersten Termine werden die Tickets bereits knapp.

Von Frank Füllgrabe