Sonntag , 20. September 2020
Charly Krökel und seine Serie „Linien und Flächen“, die er jetzt in der KulturBäckerei zeigt. Foto: t&w

Der heitere Narr: Charly Krökel in der KulturBäckerei

Lüneburg. Der Mann gehört zu denen, die irgendwie immer da waren und sind in Lüneburg. Dabei lebt Charly Krökel doch seit acht Jahren vor allem in Clenze. Die Liebe macht‘s, und dass dort gut Platz zum Schaffen ist, das gibt dem Künstler im Krökel einen Schub. Wer ihn vor allem als Comicmaler mit betont krakeliger Trash-Attitüde im Gefolge eines Robert Crumb kennt, der kann ihn nun wirklich kennenlernen und wird ein wenig umdenken.

Charly Krökel stellt bis zum 18. Februar im Artrium der KulturBäckerei aus. Seit 30 Jahren ist er nun als freier Künstler unterwegs. „Die Neugier bleibt“ hat der 57-Jährige seine Werkschau überschrieben.

Kritik wird meistensin Humor verpackt

Die Ausstellung beginnt schon 1981, da hatte der Lüneburger gerade sein Abi gebaut und machte sich ein Bild von sich selbst. Charly war immer da, meist blieb er im Hintergrund, arbeitete fürs Theater, für Mr. Cox, für Carsten Papes „Ich liebe dich“-Band Clowns & Helden. Er gestaltete Cover, malte Kulissen am Kiez für die Schmidt-Bühnen und was so anfiel.
Krökel mag den Comic, den Cartoon, die Satire, den schwarzen Humor. „Ich bin eben eher der heitere Narr“ sagt er. Für das Quadrat-Magazin zeichnet er Karikaturen von Politikern aus fern – Trump mit Haifischzähnen und „Fuck“-Finger – und nah, etwa die SPD-Bundestagsabgeordnete Hiltrud Lotze. Dazu Lüneburger Typen wie Bass-Mann Tabbel Dierßen und Winne Marx, auch so ein Urgestein wie Krökel, nur aus der Gastroszene.

Schärfer und direkt wird seine Kritik, wenn es um die Bedrohung und Zerstörung der Umwelt geht. „Wir haben nur die eine“, sagt Krökel.
Im Artrium ist aber vor allem der Maler Charly Krökel zu entdecken. Eine jüngere Serie heißt „Linien und Flächen“. Auf meist monochromem Acryl-Grund setzt Krökel mit schnellem (Pastell-)Strich Liniengeflechte, spontan, intuitiv, nie zu viel. Einige Flächen malt er aus und mögen die Bilder auch abstrakt sein, er sieht etwas in ihnen. Sie heißen „Der Rabenrat“, „Narrenkappe“ oder „Stadt im Vogelauge“. Sehe jeder darin, was er will, sagt der Maler.

Die Einsamkeitder verlorenen Handschuhe

Er hat nun auch größere, gestalterisch noch freiere Formate geschaffen, mit einem Mix aus Farbe und Dynamik. Dann sind da kleine Skulpturen, in denen gelegentlich der Schalk im Charly zu sehen ist.

Noch einmal der heitere Narr: Fünf Jahre lang hat Charly Krökel verloren gegangene Handschuhe fotografiert, mehr als 500 sind es, sie liegen im Laub, auf Asphalt, im Matsch. Manchmal könne man das Leben darin noch spüren, sagt der Fotograf; angefasst, verändert habe er die Handschuhe nie. Seine Fundstücke laufen im Rahmen der Ausstellung als Fotoserie ab, so wird es tatsächlich originell. Er hat die Serie eigentlich abgeschlossen aber so etwas fokussiert den Blick. „Das werde ich nicht mehr los.“ Auf dem Radweg zurück in die Redaktion lag übrigens auch einer…