Ministerin Gabriele Heinen-Kljajic besuchte den Kunstraum Tosterglope und ließ sich von Leiter Johannes Kim­stedt über Kunst und ihre Vermittlung informieren.

Kunst-Förderung: Land schüttet 900.000 Euro aus

Lüneburg. Das Land Niedersachsen hat 900000 Euro für die Arbeit der Kunstvereine im Land bereitgestellt. Größere Summen fließen auch nach Lüneburg und nach Tosterglope. "Kunstvereine spielen in Niedersachsen eine zentrale Rolle bei der Ausstellung und Vermittlung zeitgenössischer Kunst", sagt die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajic.

Gestärkt werden sollen mit der Förderung "herausragende Programme". Was sie darunter versteht, erläutert die Ministerin: "Mit ihren innovativen Ausstellungs- und Vermittlungsprogrammen und ihrer besonderen Nähe zu den Besucherinnen und Besuchern begeistern sie ein breites Publikum und ermöglichen diesem Zugang zur Kultur sowie Teilhabe an neuen künstlerischen und gesellschaftlichen Themen und am internationalen kulturellen Austausch." Wichtige Kriterien der Mittelvergabe sind, dass die Einrichtungen zeitgenössische Künstler präsentieren, sich international aufstellen und den Nachwuchs unterstützen.

Stärkste Förderung für Hannover und Braunschweig

2017 werden insgesamt 23 Kunstvereine und vergleichbare Einrichtungen gefördert. Die größten Beträge fließen an die Kunstvereine in Hannover (146500 Euro) und Braunschweig (106000 Euro). Zur Vergaben hat das Ministerium eine Fachkommission "Kunstvereine" gebildet, deren Mitglieder zum Teil enge Verbindungen nach Niedersachsen haben. So war René Zechlin, heute Direktor des Wilhelm-Hack-Museums in Ludwigshafen, von 2008 bis 2014 Direktor des Kunstvereins Hannover. Prof. Stella Geppert (Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle) lehrte 2009/10 in Braunschweig. Dr. Susanne Meyer-Büser (Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen) arbeitete von 2006 bis 2009 als Sammlungsleiterin für Malerei und Skulptur am Sprengel Museum Hannover. Bernd Milla (Kunststiftung Baden-Württemberg) studierte in Lüneburg und war mit Heike Munder federführend an der Gründung des Vereins Halle für Kunst beteiligt. Außerdem gehört Susanne Titz (Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach) zur Jury.

Die Halle für Kunst Lüneburg erhält für ihr Jahresprogramm 54000 Euro. Aktuell läuft an der Reichenbachstraße die Ausstellung "Gebärden und Ausdruck", noch bis zum 19. Februar, kuratiert von der künstlerischen Leiterin Stefanie Kleefeld. Zum typischen Vermittlungsprogramm gehört am Sonnabend, 4. Februar, die Reihe "Kinder führen Kinder". Mit der Kunstpädagogin Anna Prinz werden Arbeiten der aktuellen Ausstellung besprochen, die dabei gesammelten Ideen und Eindrücke werden anschließend mit Stempeln und Farbe in der Druckwerkstatt umgesetzt. Das Angebot richtet sich an Kinder von sechs bis zwölf Jahren.

Springhornhof feiert sein 50-jähriges Bestehen

Der Kunstraum Tosterglope wird mit 35000 Euro unterstützt. Dort steht die nächste Ausstellung unter dem Titel "Eröffnung krinein". Mitglieder des Fördervereins zeigen sich als Sammler und zugleich als Kuratoren. Das Wort "krinein" kommt aus dem Griechischen und meint "urteilen und scheiden". Eröffnung: Sonntag, 12. März, 18 Uhr. Bereits am Dienstag, 14. Februar, um 17 Uhr heißt es "Zeichnen ist Denken mit der Hand", ein Angebot zum "Zeichnen und Tee trinken". Ein dichtes Programm aus Konzerten und Kunst folgt.

Der Kunstverein Springhornhof in Neuenkirchen bei Soltau bekommt 27000 Euro. Der Verein begeht 2017 sein 50-jähriges Bestehen. Die 1998 gestorbene Gründerin Ruth Falazik hatte dem Verein vor allem durch Kunst-Landschaft-Projekte überregionale Bedeutung verschafft. Dass der Kunstverein vergleichsweise schwächer gefördert wird, liegt daran, dass er über eine vom Land gegründete Stiftung laufende Kosten abdecken kann, sagt die künstlerische Leiterin Bettina von Dziembowski. Die aktuelle Ausstellung "Tondos" von Tillmann Terbuyken ist im Februar nur auf Anfrage geöffnet. Am Sonntag, 19. Februar, um 15 Uhr gibt es aber ein Künstlergespräch samt Katalogvorstellung bei Kaffee und Kuchen.
"Unsere Kulturvereine in der Region können im niedersächsischen Vergleich gut mithalten", resümiert die SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers und stellt weiter fest: "Ihre Ideen und ihre Vielfältigkeit, aber besonders ihre Nähe zum Publikum sind bemerkenswert."

Von Hans-Martin Koch