Freitag , 30. Oktober 2020
Pawel Popolski erzählt von den Taten seines Opas Piotrek als Komponist. Foto: nh

Weiterhin heiter im Kulturforum

Von Frank Füllgrabe
Lüneburg. Nessie Tausendschön steckt „knietief im Paradies“, Martina Brandl hat „irgendwas mit Sex“. Werner Brix führt „mit Vollgas zum Burnout“, wer zu weit darüber hinausfährt, den erwartet der Tod auf „Happy Endstation“. Hans-Hermannn Thielke hat sich aus dem mittleren nicht-technischen Dienst bei der Post verabschiedet, geblieben ist ihm der Strickpullunder und das tendenziell begrenzte Verständnis von der Komplexität dieser Welt.
Kabarett und kabarettnahe Comedy, in der Konzertscheune oder auf der Brettlbühhne, waren schon immer das Aushängeschild des Kulturforums auf Gut Wienebüttel. Das bleibt auch erst einmal so: Das neue Halbjahresprogramm bietet genau 50 Termine, fast ein Drittel davon (nämlich 16 ) gehören in die gehobene Humor-Abteilung. Es gibt ein Wiedersehen mit Altmeistern wie Mathias Richling und Thomas Freitag, Pawel Popolski kommt dafür nun ohne seine anstrengende, laute Familie und berichtet, wie sein Opa Piotrek einst auf einem Pfarrfest nach dem Genuss von 22 Gläsern Wodka die Drei-Akkorde-Musik erfand. Fast alle Top-Ten-Hits, die seither komponiert wurden, basieren auf diesem Schema. Natürlich ist niemand jemals auf die Idee gekommen, der Familie Popolski dafür auch nur einen müden Heller zu zahlen.
Opa Popolski ging
29natürlich leer aus
Stichwort Musik: Auch hier begegnen wir vertrauten Gesichtern, Robert Tyson zum Beispiel, der wieder als „Man in Black“ wie der junge Johnny Cash singt, begleitet von seiner Country-Tribute-Band. Zweimal deutsches Urgestein: Edo Zanki (unterwegs mit dem Gitarristen Jörg Dudys und dem Keyboarder Maze Leber) und Pe Werner, am Flügel begleitet von Peter Grabinger.
Kein „Kufo“-Programm ohne A-cappella-Show, das übernimmt diesmal LaLeLu (wie immer wegen der großen Nachfrage an gleich zwei Abenden hintereinander), und wie das Hamburger Quartett serviert auch das United Kingdom Ukulele Orchestra, der Name deutet es an, zur Musik eine Portion Spaß. Die Ukulele, die früher vor allem für Hawaii-Musik zuständig war, hat sich längst neben Mandoline und Banjo etabliert keine Gitarren-Fachzeitschrift, die mittlerweile nicht auch einen Ukulele-Workshop anbietet.
Jazznight mit
29Klängen von Coltraine
Und noch eine Visitenkarte des Kulturforums: der kammermusikalische Jazz, vertreten etwa durch das Tingvall Trio und das Marcus Schinkel Trio. Die „26. Lüneburger Jazznight“ (10. Juni) wird gestaltet von dem Benedikt Jahnel Trio, dem Duo Riessler & Matinier sowie Gilad Atzmon & the Orient House Ensemble, das sich auf die Spur von John Coltrane begeben hat. Noch ein Doppeltermin: Die Städtische Cantorei Lüneburg führt den „Canto General“ von Mikis Theodorakis am 20. und 21. Mai auf.
Die alte Villa als Keimzelle des Kulturforums ist vor allem und wieder als Galerie im Einsatz. Die erste Ausstellung wird gemeinsam gestaltet von Andreas von Ow und Luc Wolff, die eine „sture Vehemenz der künstlerischen Arbeit eint“. Wie das gemeint ist, lässt sich ab 11. Februar erkunden. Die übliche Winterpause im Kulturforum gibt es diesmal übrigens nicht, es wird auch in den kalten Monaten durchgespielt.
Das Januar-bis-Juni-Programm liegt unter anderem bei der Landeszeitung aus. Los geht es am Freitag, 6. Januar, um 19.30 Uhr, da liest Moderatorin Ruth Rockenschaub Texte von Torsten Sträter, Kirsten Fuchs, Paul Bokowski und Christian Bartel; Motto: „Patrick Swayze ist tot und Michael Ballack will auch nichts mehr von mir“.