Mittwoch , 21. Oktober 2020
Krista Patzak (rechts) und Museumsdirektorin Dr. Heike Düselder sortieren das Krippenszenario. Foto: ff

Gisbert Patzaks fröhliches Krippenszenario

Von Frank Füllgrabe
Lüneburg. Maria und Joseph, das Jesuskind, dazu Ochs und Esel, Hirten und vielleicht noch die Heiligen Drei Könige — das ist die klassische Besetzung für eine Weihnachtskrippe. Dem Lüneburger Kunstpädagogen Gisbert Patzak war das zu wenig. Er baute das klassische Szenario — Jahr um Jahr, Figürchen um Figürchen — zu einem veritablen Volksfest aus, am Ende hatten Maria und Joseph ein Publikum von rund 120 Personen. Das Ergebnis ist nun im Lüneburger Museum zu sehen.

Stille Nacht, heilige Nacht — das ist für die jungen Eltern vorbei. Vor ihrem Stall feiern Bauern ein Fest, begleitet von Musikanten und Tänzerinnen, da wird ordentlich aufgefahren. Mägde eilen hin und her, Handwerker sägen Baumstämme, Jäger machen sich auf den Weg, dazwischen wimmelt das Vieh. Einige Szenen, einige Typen kommen seltsam vertraut vor — und tatsächlich: Gisbert Patzak (1939-2015) hatte sich von den deftigen Genre-Bildern der niederländischen Renaissance inspirieren lassen, explizit zitiert wird etwa der „Hochzeitstanz“ von Pieter Bruegel dem Älteren (1525-1569).

Gemälde von Bruegel als Vorbild

Angefangen hatte alles 1970, erinnert sich seine Witwe Krista Patzak, da begann ihr Mann gewissermaßen mit den Hauptdarstellern. Das Baby liegt übrigens bei Maria auf dem Arm, eine Futterkrippe im engeren Sinne gibt es gar nicht. In jeder Vorweihnachtszeit kamen dann neue Gestalten dazu, geformt aus Styropor und Draht, überzogen mit einer Haut aus Ton, vermischt mit Kunstfasern. Für die Bemalung wählte der Künstler Tempera, keinen glänzenden Lack, sondern eine matte Farbe, die dem derben Stoff der Bauern und Handwerker des 16. Jahrhunderts besser entspricht.

Die Hauptrollen wurden neu besetzt

Und weil Gisbert Patzak kein Laie, sondern eben Kunst-Profi war, studierte er seine Akteure, schuf — als Bauanleitung — Aquarellskizzen aus verschiedenen Perspektiven. Einige der Zecher und Tänzer des Pieter Bruegel sind nun in einer Begleitvitrine als eigenständige kleine Kunstwerke zu sehen. Die letzten Figuren entstanden um 2008 — „ich habe nur die Schafe beigesteuert“ so Krista Patzak. Die Rollen von Maria und Joseph wurden nach einigen Jahren neu besetzt, dem Künstler hatten die ersten, noch etwas groben Ausführungen nicht mehr gefallen.

Ulrike Kannegießer vermittelte die Krippenwelt an das Museum. Dort wurde sie erst einmal, wie es in solchen Häuser nun mal üblich ist, Stück für Stück präzise inventarisiert. Museumsdirektorin Prof. Dr. Heike Düselder freut sich über die Schenkung, die nicht nur für die Weihnachtsszeit taugt: „Viele Figuren lassen sich ja auch in anderen Zusammenhängen einsetzen“ — also wenn es etwa in einer Sonderausstellung um das Landleben im späten Mittelalter oder der frühen Neuzeit geht.

Jetzt bleibt die Krippe erst einmal bis in den Januar hinein stehen. Wer um die Vitrine herumgeht und genauer hinschaut, entdeckt übrigens ein (sittsam gekleidetes) Liebespärchen: Die beiden knutschen hinter dem Stall.