Samstag , 19. September 2020
Pia Gerdes (links) und Kerstin Herrmann laden zu Entdeckungen in der regionalen Kunstwelt ein. Foto: t&w

Blicke ins Atelier: Kunst in und um Lüneburg

Lüneburg. Am Anfang war es Neugier. Pia Gerdes und Kerstin Herrmann, zwei Frauen aus Lüneburg, besuchen häufig Ausstellungen und stellten sich Fragen: Wer steckt hinter der Kunst? Wie entsteht sie? Wo entsteht sie? Aus Fragen wurden Besuche in Ateliers und daraus wuchs eine Idee. Am Ende der Fragen steht nun ein Buch, das in 20 Ateliers rund um Lüneburg führt. Es heißt „Kunsträume“ und ist von Inhalt und Aufmachung besonders. Denn es hat ein Buch zur Kunst in der Region in dieser Anschaulichkeit und Aufmachung noch nicht gegeben, es verführt zum Schmökern, zum Gucken, zum Lesen. Dass jedes Exemplar ein Kunstwerk enthält, macht das Buch zusätzlich wertvoll.

Zwei Jahre voller Besuche und Gespräche

Mehr als zwei Jahre haben Gerdes/Herrmann an dem Buch gearbeitet, nicht pausenlos, aber doch ziemlich durchgängig. Der Band entstand nicht mit einem fertigen Konzept, sondern in einem Prozess aus vielen Besuchen und Gesprächen. Die Autorinnen mussten am Ende natürlich eine Auswahl treffen. Wer die Szene ein wenig kennt, könnte Namen nennen, die Band zwei füllen würden. Das ist den Autorinnen klar: „Es gäbe viel mehr spannende Werkräume, wir haben eine persönliche Mischung getroffen“, sagt Pia Gerdes.

„Stimmungen aus Lüneburger Ateliers und Werkstätten“ ist das Buch untertitelt. Der Weg führte die Autorinnen auf idyllische Höfe zwischen Strachau und Eitzen, in lichtdurchflutete Räume auf dem Lande und in verwinkelte Ateliers in der Lüneburger Altstadt. „Manchmal fanden wir kreatives Chaos vor, manchmal akribische Ordnung“, sagt Kerstin Herrmann.
Vertreten sind Maler und Bildhauer, Fotografen, Objekt- und Airbrushkünstler. Es sind renommierte Künstler dabei und solche, die ihre Kunst als Zweitberuf betreiben. Manche spiegeln in ihrem Werk Erhabenheit und Schönheit der Natur, andere folgen konzeptuellen Ideen.

Künstler kommen selbst zu Wort

Entscheidend ist: Es ist ein Buch, das nahe an die Menschen heranführt. Das schaffen die Fotografien, die als Momentaufnahmen Räume wiedergeben, aber auch Details; Aufnahmen, die nicht werten wollen, sondern Atmosphäre atmen. Und es liegt mindestens so sehr an den Texten. Die Autorinnen verschwinden weitgehend hinter ihrem Produkt, sie machen ihr Herangehen deutlich, aber lassen dann vor Ort die Künstler selbst zu Wort kommen. Sie erzählen von ihrem Weg, von ihrem Werk, von ihrem Alltag.

Das Buch haben Gerdes/Herrmann großformatig gestaltet, mit einer klaren Struktur und doch so vielseitig, dass es beim Aufschlagen immer wieder Neues zu entdecken gibt. Verleger und Drucker Christian von Stern freute sich bei der von Brass Riot musikalisch begleiteten Präsentation in der KulturBäckerei über „ein Buch in einer Opulenz, wie wir es in jüngerer Zeit nur selten herausgebracht haben.“ Ein Leineneinband sorgt zudem dafür, dass sich das Ergebnis auch gut anfühlt.

„Kunsträume“ erschien in limitierter Auflage von 500 Exemplaren (von Stern-Verlag, 176 Seiten, 39 Euro). Das Buch ist beim LZ-Servicecenter, bei Lünebuch und Bücher am Lambertiplatz zu bekommen.