Mittwoch , 21. Oktober 2020
Jan Orthey vertritt künftig ehrenamtlich mehr als 3000 deutsche Buchhandlungen. Foto: t&w

Deutschlands oberster Buchhändler

Lüneburg. Jan Orthey rückt auf. Der Geschäftsführer von Lünebuch wurde in Frankfurt/Main zum neuen Vorsitzenden des Sortimenter-Ausschusses des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gewählt. Damit ist der 37-Jährige zugleich Mitglied im Vorstand des Börsenvereins, der die Interessen des gesamten Buchhandels vertritt. Orthey tritt als bisheriger Stellvertreter die Nachfolge von Thomas Wrensch an, der aus gesundheitlichen Gründen das Amt niederlegte. Die Amtsperiode läuft bis Oktober 2018. Im LZ-Interview erklärt der Lünebuch-Geschäftsführer seine neue Aufgabe.

Was ist denn eigentlche der Sortimenter-Ausschuss und wen vertreten Sie da?
Orthey: Das ist das höchste Gremium des deutschen Buchhandels. Wir vertreten alle Buchhandlungen, die im Börsenverein des deutschen Buchhandels organisiert sind, das sind mehr als 3000. Der Börsenverein ist in drei Sparten unterteilt, die anderen sind die Verlage und der Großhandel. Das ist weltweit einmalig, dass ein Verband alle Bereiche umfasst.

Zählt Amazon als Online-Verkäufer auch dazu?
Nein, Amazon ist für mich kein Buchhändler. Die verkaufen alles, prozentual werden Bücher dort sogar weniger wichtig. Für uns sind Bücher mehr als eine reine Handelsware.

Ist der Sortimenter-Ausschuss ein Gremium, das vor allem nach innen wirkt?
Es geht um Weichenstellungen, um den Buchhandel in seiner Breite und seiner kulturellen Vielfalt für den Leser zu erhalten.

Was ist die drängendste Aufgabe?
Wir müssen dafür sorgen, dass wir handlungsfähig bleiben. Die Buchpreisbindung ist ein Gut, das uns hilft, die Vielfalt der Verlage abzubilden. Neuere Urteile im Bereich VG Wort und VG Bild bedrohen gerade kleine Verlage in ihrer Existenz. Fragen des Urheberrechts sind komplex, dort haben wir viele Probleme zu meistern.

Sind Sie mit der Wahl Deutschlands wichtigster Buchhändler?
Das haben Sie jetzt gesagt.

Sind Sie künftig weniger in Ihrer Buchhandlung?
Sicher muss ich etwas häufiger pendeln, nach Frankfurt, Berlin, Brüssel. Aber ich habe ein großartiges Team in Lüneburg und Salzhausen, und auch im Zug kann man hervorragend arbeiten.

Von Hans-Martin Koch