Dienstag , 27. Oktober 2020
Drei von vier von der Tüdelband. Malte Müller (l.), Mire Buthmann und Micha Hetmann singen plattdeutsch. Foto: oc

Klingt ganz goot: Die Tüdelband singt op Platt

Hamburg/Lüneburg. Mire, Malte und Micha sind da. Lars hat keine Zeit, er macht was anderes. Zu viert sind sie die Tüdelband. Sie sind jung und machen Popmusik. Das machen viele. Die Tüdelband aber singt Plattdeutsch. Platt-Pop. Das ist schon besonders. Sie machen das gut, Mire und Malte schon seit sieben Jahren. Nun erscheint das dritte Album: „Ganz goot“ heißt das, so ist es auch.

Mire trinkt grünen Tee, Malte den Kaffee schwarz, weil keine Sojamilch da ist, und Micha irgendwas mit Ingwer drin. Er ist 23, der Jüngste der Hamburger Band, neu dabei und kommt aus Deutsch Evern. Dort begann seine musikalische Laufbahn als Junge mit Blockflöte, gemeinsam mit drei Mädchen. „Die Kumpels draußen beim Fußball, es war megapeinlich.“ Micha Hetmann testete Trompete, setzte sich an die Tasten, mit 16 kam endlich die Gitarre ins Spiel. „Da hat sich eine Sucht und eine Liebe entwickelt.“ Sie mündete in zwei Jahren School of Music und führte zur Tüdelband.

Wer kennt schon Travenhorst?

Eigentlich, so wünscht es Frontfrau Mire Buthmann, soll man ja immer „Die Tüdelband“ sagen so wie „Die Ärzte“. Denn mit dem Tüdelband hat das ja noch eine andere Bewandnis. Der „Jung mit ´n Tüdelband“, der „an de Eck steiht, in de anner Hand ´n Bodderbrood mit Kees“, ist ein plattdeutscher Hamburg-Klassiker.
Mire Buthmann aus Travenhorst 216 Einwohner, Kühe, Mais und Kaltblutpferde macht bei der bzw. Die Tüdelband fast alles. Die so ziemlich genau 30-Jährige singt, greift in die Saiten und Tasten und bedient auch das Schipperklaveer. Sie schreibt die Texte zu den gemeinsam entwickelten Liedern, kümmert sich um Booking und Management einschließlich eines Labels, das Plattnteller heißt.

Wer vom Dorf bei Bad Segeberg kommt, da irgendwo liegt Travenhorst, der bzw. die kennt und kann Plattdeutsch, auch wenn sie und die meisten der Band heute dort wohnen, wo Hamburg angesagt ist, im Schanzenviertel. Mire Buthmann unterrichtet an der School of Music, ebenso Malte Müller, der für Geraffel und Geklöter zuständig ist, also fürs Schlagzeug. Dort haben sie ihren Gitarristen eingesammelt.

In Bremen, auf der Hallig und in der „Blauen Maus“

Lars, der nicht da ist, kommt als einziger nicht aus dem Norden, sondern aus Magdeburg. Aber das fällt auch noch in den Platt-Bereich, liegt nämlich nördlich der Benrather Linie, über die Drummer Malte auf Anhieb referieren kann. Kurz gesagt, ist das eine Art Dialekt- oder Lautverschiebungsgrenze, sie wird auch als Maken-Machen-Linie bezeichnet.
Malte Müller aus Eckernförde erklärt auch den Titel des Albums „Ganz goot“. Das sei typisch plattdeutsch, so eine Art Understatement der Norddeutschen, die sich ja eher nach innen freuen. Wenn einer was „ganz goot“ findet, dann findet er das großartig, das sei eben ein Hyperlativ, sagt Malte Müller. „Der redet immer so, ich bin total fasziniert“, setzt Micha Hetmann hinterher.

Hinter dem Titel und den durchweg eingängigen Songs über das, was Heimat sein kann, was Freundschaft ist und was sich alles wandelt, steht eine Grundeinstellung: das Wissen, „dass es uns hier mindestens ganz gut geht“. Das Bewusstein für das Regionale wächst in einer globalisierten Welt. Das passt zusammen, findet die Tüdelband. Weltoffen sein und platt singen kein Problem!
Jetzt geht die Tüdelband auf Tour. Lüneburg haben sie zurzeit allerdings nicht auf dem Plan. Live wird das Album, das ab Freitag auf dem Markt ist, am 8. Dezember vorgestellt, im Hamburger Knust.

Sie spielen in Bremen und Lübeck, auf der Hallig und besonders gern in der „Blauen Maus“ auf Amrum, wo es ganz schön kuschelig auf der kleinen Bühne wird. „Wir sind fahrendes Volk“, sagt Mire Buthmann. „Es ist ziemlich genau das, was ich immer tun wollte.“ Das hört sich doch ganz goot an.

Von Hans-Martin Koch

Plattsounds mit den Klogsnackers

Zehn Bands aus Niedersachsen mischen am Sonnabend beim „Plattsounds“-Wettbewerb in Schüttorf mit , erst- und bislang einmalig dabei ist eine Schülerband. De Klogsnakers aus Bardowick haben sich an der Hugo-Friedrich-Hartmann-Oberschule gegründet und sich gleich mit ihrem ersten Song beworben: „Manges güvt dat Dage“.

De Klogsnakers sind Eric Ferner (key), Yannic Tammling (dr), Leon Meirose (g) und Kim Fahlbusch (b). Bei Plattsounds sind Musikrichtungen wie HipHop, Pop, Rock, Indie, Metal, Punk, Reggae und auch Singer-Songwriter vertreten.

Es gibt bis heute, 17. November, per Internet die Möglichkeit, ein Band-Voting abzugeben: http://www.platt sounds.de/voting-2016.html