Mittwoch , 28. Oktober 2020
Dorothea Maria Müller wird bei zwei Lloyd-Webber-Musicals in Lüneburg zu sehen sein. Foto: t&w

Dorothea Maria Müller über ihre Rolle als „Evita“

Von Hans-Martin Koch
Lüneburg. So stellt man sich eine Musicalfrau vor, schlaksig, immer in Bewegung, schnell lachend, natürlich blendend aussehend, und dass Dorothea Maria Müller bei den Proben eine Thermoskanne Kräutertee dabei hat, passt auch. Wie viele, die sich frei in der Szene tummeln, kennt die Musicaldarstellerin die Bahnstrecken der Republik, sie lebt bei Nürnberg. Über die Frau, die sie ab kommendem Sonnabend am Theater Lüneburg spielt, sagt sie: „Sie ist a bisserl manisch.“

Die Frau ist María Eva Duarte de Perón (1919-1952), die sich aus Armut befreite, als Showstar prominent und als Frau des Präsidenten Juan Perón zur Ikone wurde, so sehr geliebt wie gehasst. Das Bild, das von der jung gestorbenen Frau heute in der Öffentlichkeit besteht, entstand vor 40 Jahren, Da erschien „Evita“ als Doppel-LP. Der Siegeszug des Musicals begann zwei Jahre später. Vor 30 Jahren dann erreichte „Evita“ Deutschland, Olivia Molina spielt als erste die Titelrolle. Längst ist das Musical von großen und nicht ganz so großen Bühnen nicht wegzudenken, es wirkt.

Für Dorothea Maria Müller ist es eine neue Partie. Sie sang große Rollen in „Hair“, „Rent“ und in der „Rocky Horror Show“, die Eliza Doolittle in „My Fair Lady“, die Sally Bowles in „Cabaret“, und im Sommer war sie bei der Welturaufführung des Musicals „Der Medicus“ dabei.

Der Regisseur ist ein guter alter Bekannter

Bevor sich die Frau aus Franken ganz und gar für das Theater entschied, hatte sie etwas Vernünftiges gelernt: Versicherungskauffrau. Das wird die Eltern beruhigt haben. Die Tochter aber entsicherte ihr Leben, ergatterte einen Platz an der Hamburger Stage School, als Vollstipendiatin. Vorbei wars mit der schönen oder schnöden Büro-, hinein gings in die spannendere Bühnenkarriere.

Das Tanzen und das Singen müssen Musicaldarsteller gleichermaßen beherrschen. Wer es zu den prägenden Rollen schafft, tanzt weniger, stattdessen muss verstärkt das schauspielerische Element beherrscht werden. Die Eva Perón ist charakterlich schwer zu fassen, sie ist ja nicht nur ein „bisserl manisch“. Sie will den Ruhm „und kommt dann nicht mehr aus dem Wirbel raus“. Sie heiratet den Mann, der sie nach oben bringt, aber Glück und Liebe sehen wohl anders aus. Sie übt Macht aus, wird verehrt, doch die Elite guckt auf sie herab.

Und dann ist da im Musical Che, ein Gegenspieler, anziehend und gefährlich zugleich. Der Che war ein kluger Schachzug von den Autoren Tim Rice und Andrew Lloyd Webber. Er wird in Lüneburg von Philipp Hägeli gespielt, auch eine neue Stimme. Hägeli ist zurzeit als Kassar im Disney-Musical „Aladdin“ engagiert; Kassar ist ein Kumpel der Hauptfigur. Den Perón übernimmt Ulrich Kratz, die musikalische Leitung Robin Davis und die Regie Wolfgang Dosch.

Dosch, da war doch was? werden sich alte Theatergänger fragen. Genau, das ist der Wiener Dosch, der vor rund 30 Jahren als Buffo in Lüneburg zu erleben war, als Sänger bei kleinen und großen Konzerten, später auch als Moderator. Dosch machte Karriere, sang an großen Häusern, blieb Spezialist für die Operette, auch fürs Musical. Zwölf Jahre lang war er zum Beispiel Sänger und Dramaturg an der Staatsoperette Dresden.

Im Januar folgt noch ein Lloyd-Webber-Musical

Die Pendelei Nürnberg-Lüneburg wird Dorothea Maria Müller noch intensivieren. Denn ab 27. Januar spielt sie in einem zweiten Stück: „Tell Me On A Sunday“ schrieb Lloyd Webber unmittelbar nach „Evita“. Im Zentrum steht eine junge Frau, die aus England kommt, in den USA ihr Glück machen will und zu scheitern droht.

Jetzt aber ist erst einmal „Evita“ dran. Die Premiere am Sonnabend, 12. November, ist ausverkauft. Die nächsten Vorstellungen: 17. und 27. November.