Freitag , 30. Oktober 2020
Der Lüneburger BachChor wird seit 1993 von Deborah Coombe geleitet. Foto: nh

Immer rechts und links schauen

Lüneburg. Auf so ein Konzert-Programm muss man erst einmal kommen: Joseph Haydns Missa Sancti Nicolai aus dem Jahre 1772 nicht am Stück, sondern aufgebrochen durch Lieder der Zeitgenossen James MacMillan, Arvo Pärt, Sven-David Sandström, John Tavener und Peteris Vasks, die alle recht eigene Kompositionstechniken pflegen. Das ist wiederum die Handschrift von Deborah Coombe, die seit 1993 den BachChor leitet. Aber es geht auch nicht um einen alltäglichen Auftritt, sondern um die Feier des 40-jährigen Bestehens: Sonnabend, 12. November, 17 Uhr in der St. Nicolaikirche.

Da hat sich der Chor einiges vorgenommen: Arvo Pärts „An den Wassern zu Babel“ beispielsweise wird nur mit Vokalen gesungen; John Taveners „The Lamb“ nach einem Gedicht von William Blake verarbeitet unter anderem Elemente der seriellen Musik, MacMillans „Give me justice“ führt zurück in die schottische Musik des Mittelalters.

Musik des Mittelalters und der Moderne

Aber gerade diese von der Alten Musik bis zur Moderne und zum Jazz reichende Vielseitigkeit ist ein Markenzeichen des rund 30 Musiker(innen) umfassenden Ensembles ambitionierter Amateure. Zu den erfahrensten unter ihnen gehört Marlis Schönburg, die langjährige Vereinsvorsitzende ist heute Ehrenmitglied des Ensembles.

Der Bach-Chor wurde also im Jahre 1976 damals noch klassisch mit Bindestrich geschrieben von Winfried Fechner gegründet, der sich nun gerade vor ein paar Tagen als Dirigent des Silcher-Chores verabschiedet hat. Johann Sebastian Bach als Namensgeber, das war einfach naheliegend, mit seinen Werken hatten die Gründungsmitglieder schon Erfahrung, und schließlich ist Lüneburg (wenn auch nur ganz kurz) Bach-Stadt gewesen. Der Chor hat es sich zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr eine Bach-Kantate aufzuführen.

Der Kammerchor ging mit Werken wie Monteverdis „LOrfeo“, Händels „Julius Cäsar“ und Rossinis „Petite Messe Solennelle“ an die Öffentlichkeit. Andrew Ollivant, damals Chor-Dirigent am Theater Lüneburg, übernahm von 1981 bis 1983 das Pult, gefolgt von Detlef Schult, der neben seiner Bigband Blechschaden nun auch zehn Jahre den Bach-Chor leitete.
Neben Konzert-Reisen nach Frankreich und England gehörten Auftritte mit dem Londoner Hilliard-Ensemble zu den Highlights. Mit der „Misa Criolla“ des argentinischen Komponisten Ariel Ramírez stellte der Chor 1992 erstmals eine Verbindung zwischen Bach und Jazzmusik her.

Fechner und Ollivant, Schult und Coombe

Gemeinsam mit der Kanadierin Deborah Coombe, Chordirektorin am Theater Lüneburg, wurde das Aufeinandertreffen verschiedener Musikrichtungen und -epochen weiter fokussiert: etwa 1994 mit der „Missa Luba“, die auf kongolesischen Melodien und (ziemlich komplizierten) Rhythmen basiert, und mit der „Messe für unsere Zeit“ mit der Bigband Blechschaden. Neben dem Jazz widmete sich der BachChor der Neuen Musik, etwa dem „Magnificat Antiphonen“ von Arvo Pärt und dem „Sonnengesang“ von Sofia Gubaidulina.
Das Jubiläumskonzert trägt den Titel „Licht und Schatten“, eine Reflexion auf die wechselnden Stimmungen und Perspektiven des Programms; der BachChor wird begleitet von den Norddeutschen Symphonikern unter der Leitung von Michael Wild; als Solisten zu hören sind Ruth Fiedler (Sopran), Barbary Buffy (Alt), Timo Rößner (Tenor) und Christian Oldenburg (Bass), die Gesamtleitung hat Deborah Coombe. Vorverkauf: LZ.

Von Frank Füllgrabe