Donnerstag , 6. August 2020
Eine Skulptur von Walter Knolle. im Hintergrund Malerei von Ute Flemming und Gabriele Nafisa-Klipstein. Foto: ff

Blick in den Fundus des Bundes Bildender Künstler

Lüneburg. Dass Besucher eines Hauses von einem nackten Hintern empfangen werden, ist eher ungewöhnlich, kommt aber durchaus vor. Im Heinrich-Heine-Haus jedenfalls hat es der Bund Bildender Künstler (BBK) möglich gemacht, es ist letztlich alles nur eine Frage der Inszenierung. Zwei lebensgroße Akt-Skulpturen von Holzbildhauer Walter Knolle, eine Frau und ein Mann, stehen, obwohl beide kopflos, miteinander im Dialog. Für außenstehende Ankömmlinge fehlt ihnen offensichtlich der Sinn.

Der BBK Lüneburg lädt zur „Jahresausstellung“ kein Versuch, einen Themen-Titel zu finden, das wäre ja doch nur auf eine Verlegenheitslösung hinausgelaufen. Insgesamt 22 Künstler(innen) sind dabei, Malerei steht im Vordergrund, hier wiederum die gegenständliche. Vertrautes ist zu entdecken, hervorgegangen aus belastbaren Programmen, die über die Zeit nur behutsam weiterentwickelt wurden. Auf der anderen Seite stehen Experimente, neue Positionen. Von wem stammt was? Wen erkenne ich? Das ist bei solchen Präsentationen ein beliebtes Spiel.

Bunte Bilder und der Graue Salon

Die märchenhaften, bibelnahen Monotypien Brigitte Kranichs beispielsweise gehören fast schon zum Inventar; Karin Marquardt hat ihre neuen fröhlich-quietschbunten Objekte mit dem Kindergeburtstags-Appeal kürzlich in der Scharnebecker Galerie Kulturboden vorgestellt, der überzeugte Norweger Christian-Ivar Hammerbeck zeigt Aquarelle im Nordlicht-Schimmer. Gudrun Jakubeit, sonst immer für leuchtende, glühende Farbe zu haben, ist nun gewissermaßen mit einem Gegenentwurf dabei, einem fast-monochromen Weißbild. Kleinformatige Skulpturen mit leicht ironischen Proportions-Verschiebungen im Gestein? Barbara Westphal. Verlassene, surreale Innenarchitekturen? Karl-Willi Haase.

Zwischen all den schillernden Arbeiten gibt es in der Heine-Galerie so etwas wie einen Grauen Salon, ein Zimmer, das solchen mattfarbenen Arbeiten vorbehalten ist, die besondere Ruhe brauchen. Grau ist hier tatsächlich der prägende Ton wo die Farbe fehlt oder nur sparsam als Akzent eingesetzt wird, richtet sich die Aufmerksamkeit auf Form und Oberfläche, auf versteckte Zeichen und stille Botschaften.

Es geht auch anders. Sehr viel konkreter arbeitet Michael Heinrich, seine detailliert ausgeführten Gemälde in diesem Fall: ein Frauenproträt und eine von Touristen besuchte Kirche wirken oft wie Fotografien, gepresst durch einen Aquarellfilter, gedruckt auf Leinwand die Assoziation ist im Grunde ein skurriler Effekt, denn eigentlich will hier die Malerei nichts anderes sein als Malerei. Gleich nebenan sind Großaufnahmen von Schlössern und Scharnieren in geradezu hyperrealistischer Präzision dargestellt aber das sind auch tatsächlich Fotografien (von Martin Bäuml), gedruckt auf hartem, glattem Untergrund.

Öffnungszeiten: mittwochs, sonnabends und sonntags jeweils 11 bis 18 Uhr, bis 13. November.

Von Frank Füllgrabe