Samstag , 31. Oktober 2020
Katrin Bauerfeind beleuchtet die Geschlechter-Rollen und kommt zu amüsanten Ergebnissen. Foto: t&w

Katrin Bauerfeind liest in der ausverkauften KulturBäckerei

aweg Lüneburg. „Feminismus ist lästig und keiner hat Bock darüber etwas zu hören“, die ersten Worte von Katrin Bauerfeind sollte man nicht allzu ernst nehmen. Denn anstatt dass die Journalistin und Moderatorin über Feminismus redet, hat sie ein Buch geschrieben. Aus ihrem zweiten Buch „Hinten sind Rezepte drin: Geschichten, die Männern nie passieren“ las Katrin Bauerfeind in der KulturBäckerei. Ganz nebenbei entlarvte sie mit ihrem selbstbetitelten „Humor-Feminismus“ und skurillen Geschichten die Absurditäten, die heute in Geschlechterrollen vorherrschen.

Bauerfeind: Ihre wohl bekannteste Sendung auf 3sat trägt schlicht ihren Nachnamen. Das Popkulturmagazin war die erste eigene Sendung der gebürtigen Schwäbin nach verschiedenen Moderationen für das dritte Programm. Seitdem war sie weiter als Moderatorin und Journalistin für Print, Rundfunk und Fernsehen gefragt. Seit 2014 hat sie in zwei Büchern geschrieben, was sie aus Sicht der modernen Frau bewegt.

„Heute geht es um Politik, Religion und Schuhe. Klingt das nicht toll?“, fragt Bauerfeind und lacht mit ihrer unverkennbar rauchigen und tiefen Stimme. Von der Religion handelt das erste Kapitel aus ihrem neuen Buch. „Denn die Emanzipation von Frauen in der Religion sieht immer noch ziemlich mau aus“, kommentiert Bauerfeind das Kapitel „Die Frauenquote in der katholischen Kirche beträgt genau null Prozent“.

Deshalb gründet sie ihre erste eigene Frauenreligion. Im Kapitel „Erstes Buch Katrin“ heißt Gott Brigitte und ist nicht perfekt. Als Messias sucht sich die Göttin Katrin aus, weil die so gut reden kann und ihr die Fernsehsendung so gut gefallen hat. Die kurzen drei Gebote, die verkündet werden sollen, sind eine Aufforderung an die Frau, sie selbst zu sein: mit Kopftuch oder bauchfrei, ohne den Drang, falsche Wimpern zu tragen. Und zu guter Letzt: „Macht Liebe! Reichlich!“

Katrin Bauernfeid ist keine Freundin von ständigen Harmoniebedürfnissen, die oft unter Frauen herrschen und auch ihre Sprache bestimmen. Mit Humor und Selbstironie spricht Bauerfeind aus, was sie denkt. Schon mit ihrer Wort- und Themenwahl übt sie Kritik an gängigen Mustern, in denen oft gedacht wird.

Bauerfeind schlägt vor, dass auch Frauen mal öfter etwas mit Körperkraft lösen könnten. Ihre Kapitel sind meist von bizarren Gedankenspielen eingeleitet, die man mögen muss. Eine Prügelei zwischen Frauen in einem Friseursalon ist nicht jedermanns Humor. Doch spätestens wenn die Realität wieder Einzug in die Kapitel erhält, wird deutlich, dass die Fantasien ihre Berechtigung haben. Denn eigentlich wünscht sich Bauerfeind einfach nur Gleichberechtigung im Streitverhalten. „Das ist kein Aufruf zu Gewalt unter Mädels“ stellt sie klar. Vielmehr sei es der Wunsch, dass es auch mal andere Kategorien für wütende Frauen gäbe als Zicke und Schlampe.

Die Geschlechter-Klischees, die Bauerfeind bedient, könnten platt wirken, wüsste man nicht, dass besonders in den Überspitzungen der Humor und die Emanzipation stecken. Denn gerade diese Klischees entlarven, wie absurd Geschlechterrollen eigentlich konstruiert sind. Warum ist es so maskulin, wenn Männer in Satin-Morgenmänteln und knappen Hosen in den Boxring steigen? Warum gibt es kein männliches Pendant für das Flittchen und die Schlampe? Mit dem „Humor-Feminismus“ hat sie zumindest ihre erste These widerlegt: Lüneburg hatte Spaß daran, etwas über Feminismus zu hören.