Montag , 28. September 2020
Idikó von Kürthy und Hubertus Meyer-Burckhardt gucken, was das Leben für eine Frau von mehr als 40 Jahren noch zu bieten hat. Foto: t&w

Ildikó von Kürthy und Hubertus Meyer-Burckhardt schauspielern im Theater

oc Lüneburg. Sie hätte es sich ja leicht machen und auf ihre Kernkompetenz setzen können. Aber Ildikó von Kürthy liest nicht einfach aus ihrem „Neuland“-Bestseller, der aktuell Platz sieben der Spiegel-Liste hält. Sie hat eine Show, ein Stück Boulevard in zwei Akten aus dem Thema gebaut, das gefühlt 95 Prozent Frauen — Altersklasse 41 bis 51 — ins volle Theater Lüneburg lockt. Das Thema: Soll das alles gewesen sein? Was kommt noch, wenn am Oberarm das Winkfleisch wackelt und die Nasolabialfalte Furchen gräbt? Ildikó von Kürthy (48) tourt mit wechselnden Partnern durchs Land; in Lüneburg las und spielte Hubertus Meyer-Burckhardt (59) die Autorin fast an die Wand.

Geschrieben hat Kürthy Dialoge für zwei Frauen. Sie folgen auf das Intro, das Meyer-Burckhardt mit Clips an den Ohren liest, später werden beide im Bademantel plaudern. Vor kurzem war von Kürthy mit Jörg Thadeusz in Bardenhagen, sie gibt auch Abende mit Jasmin Wagner und Bärbel Schäfer. In ihrem Buch berichtet von Kürthy von einem Jahr der Experimente, in dem sie all das macht, was frau — vielleicht — mal machen sollte, wenn die Alterskrise naht. Es geht um Selbstoptimierung, vom Diäten über Schweigekloster bis zur Selbstverteidigung und Blondinenwerdung. Als solche wird von Kürthy an diesem Abend auch auf die Bühne staksen.

Vieles aus ihrem Buch verpackt sie in Dialoge, die in erster Linie Pointen prasseln lassen. Dabei verfährt die Autorin nach einem Muster: Sie skizziert anschaulich Alltagsfrust des Alterns und kontrastiert — „das ist wie. . .“ — die Situation mit möglichst krassen Vergleichen. Die sind gut, wenn sie knapp gefasst sind, manche aber kommen doch ziemlich verschwurbelt daher. Das wiederum fällt nicht weiter auf, da der Abend im Vollgasmodus durchgelacht werden kann, Kracher um Kracher.

Dabei fällt Meyer-Burckhardt der weitaus aufwändigere Part zu und das ist gut. Denn er besitzt eine weitaus größere Bühnenpräsenz, er kann mit dem von beiden abgelesenen Text souveräner und (selbst)ironischer umgehen. Ildikó von Kürthy fällt da ein wenig ab, manchmal trägt sie den Text vor, als sei er ihr fremd. Dass beide auch die Hits ihrer Jugend singen, okay, der Saal stimmt gerne ein. Dass die Autorin als blondierte Allerwelts-Schönheit Helene Fischers „Atemlos“ anstimmt, macht aber endgültig klar: Es geht hier um Comedy, auf der Ebene von Formaten wie „Cavewoman“.

Bevorzugt kreisen die Dialoge um den schleichenden Verfall, also um die Phase, in der von Kürthy Oberschenkel wie ein Hagelschaden aussehen lässt etc. Doch die Autorin setzt deutlich eine Botschaft hinter den Spaß, und die heißt: Akzeptieren, Leben genießen! Das genoss die Zielgruppe an diesem langen und lang bejubelten Abend.