Tamme Hanken wählte Humor der rustikalen Sorte und erntete mäßige Begeisterung.

Einen vom Pferd erzählt

hjr Lüneburg. Da wiehert der Gaul. Selbst in Lüneburg, wo das einlullende Meeresrauschen fehlt, die Möwen nur am Stint kreischen und der Tee weniger stark getrunken wird als in Ostfriesland. Herb und etwas derb, so mag er es. Tamme Hanken schafft zunächst Gemütlichkeit. Die besteht aus weißem Küchenschrank, Herdplatte, Tisch und Stühlen, Arbeitsflächen und anheimelndem Wohnzimmersofa. Das zaubert jene gewünschte Atmosphäre, die offenbar zwischen Aurich und Jever zum Stil gehört.

Bevor das Schwergewicht aus dem niedersächsischen Nordwesten richtig in Fahrt gerät, sucht er sich eine Zufallsassistentin aus dem Parkett. Die hieß im fast ausverkauften Vamos Daniela und bot dem Comedian durchaus Paroli. Im Gegensatz zu seinen Berufskollegen spricht der Riesenfriese mit stattlichen zwei Metern Körperlänge und 145 Kilogramm Lebendgewicht eher gemach. Das liegt gewiss am Wohnort.

Er steckt das Terrain ab, imaginiert jenseits des angejahrten Küchenmobiliars eine Weide und lässt die kecke Daniela gern als Oldenburger Stute über die Bühne hoppeln. Die macht brav mit. Hanken schenkt der jungen Dame auch ab und zu einen Schnaps ein, um irgendwelche Leiden zu kurieren: Nase zu und runter mit dem Hochprozentigen. Das soll helfen, zum Beispiel gegen Magenleiden, oder ein scharfes Süppchen, das Vierbeiner wieder flott macht.

Ganz klar ist bis dahin noch nicht, um was es hier eigentlich geht. Irgendwie spielt das Pferd im Allgemeinen und Besonderen eine tragende Rolle. Biologie also. Tamme Hanken führt in epischer Breite in die Geheimnisse der Fauna, erklärt das Prinzip künstlicher Besamung und nutzt Daniela für alle Fälle als corpus delicti. Die folgt den Anweisungen stets passgenau.

Der Mann vom platten Land kommuniziert sich durch sämtliche Fragen der Spezies, hält dabei seine Assistentin stets auf Tuchfühlung. Wenn es hakt, streut Hanken einen Witz meist unterhalb der Gürtellinie ins Programm. Deftig soll es sein. Fürs Anschauliche hat er einen skelettierten Pferdekopf im Gepäck. Das verifiziert manches. Der Kabarettist liebt das Grobe und Direkte.

Kein Wunder, agiert er doch gewöhnlich als Knochenbrecher. Was immer das bedeutet, auf der Bühne jedenfalls sieht er von derart rabiaten Methoden ab und beschränkt sich auf die medizinisch weniger fragwürdige Variante des Pferde-Chiropraktikers. Hinter den Exkursionen zu Koliken und Hengstparaden sucht Tamme Hanken ausgiebig Kontakt zum Publikum. Das bindet er gnadenlos in seine Pferdeshow ein, bandagiert geschickt Danielas Fesseln, zieht ihr frische Holz-Hufe unter die Sohlen, analysiert Haltungsschäden oder schnürt einem mutigen Zuschauer Genitalattrappen um die Hüfte. Die Zuhörer verlustierten sich recht verhalten, die großen Lacher blieben aus.