Donnerstag , 1. Dezember 2022
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Szene aus „Look up and see the Skies“: Irene La Monaca (vorne), Rhea Gubler und Hugo Prunet. (Foto: Theater)
Szene aus „Look up and see the Skies“: Irene La Monaca (vorne), Rhea Gubler und Hugo Prunet. (Foto: Theater)

Hinaufschauen und die Himmel sehen

Was bedeutet Neuanfang nach den vergangenen zwei Jahren? Wie lässt sich das tänzerisch ausdrücken? Damit beschäftigt sich der neue Tanzabend „Green Light“ am Theater Lüneburg. Die Zuschauer erleben gleich zwei Stücke: eine Choreographie des portugiesischen Choreographen Tiago Manquinho und eine von Ballettdirektor Olaf Schmidt.

Lüneburg. Zwei Tanzstücke an einem Abend, zwei choreographische Handschriften, ein Thema: Am Sonnabend, 4. Juni, feiert der Tanzabend „Green Light“ Premiere im Großen Haus des Theaters. Der erste Teil des Abends wird von Tiago Manquinho choreographiert, der zweite von Ballettdirektor Olaf Schmidt. Beide beschäftigen sich auf sehr unterschiedliche Weise mit dem Thema „Neuanfang“.

Das Bühnenbild stammt von Manuela Müller, das Kostümbild von Susanne Ellinghaus. Als Dramaturg und Co-Regisseur komplettiert Boris von Poser das Regieteam. Bis zum 17. Juni stehen insgesamt drei Vorstellungen auf dem Programm. Das Stück wird in der kommenden Saison wieder aufgenommen. Vor den Vorstellungen gibt es eine dramaturgische Einführung im Seitenfoyer. Zudem ist die Einführung ab dem Premierentag digital auf der Website des Theaters abrufbar.

Was bedeutet Neuanfang nach den vergangenen zwei Jahren? Wie sieht es aus, wenn man endlich wieder starten kann? Der portugiesische Choreograph Tiago Manquinho wendet den Blick nach innen und konzentriert sich dabei eher auf die Neustrukturierung der Gedanken durch den Stillstand, genauer: wie man dadurch neue Möglichkeiten erkennt und andere Perspektiven findet. Er hat seine Choreographie „Look up and see the skies“ („Schaue hinauf und sieh die Himmel“) genannt.

Der Plural ist bewusst gewählt. „Die Einzahl hätte für mich nur ‚der blaue Himmel‘ bedeutet. Es soll aber um Offenheit gehen, darum aufzuschauen und die Unendlichkeit von Chancen zu erkennen“, erklärt Tiago Manquinho.

Der zweite Teil, die Choreographie von Olaf Schmidt, trägt den Titel des gesamten Abends: „Green Light“. Er beleuchtet das Thema Neuanfang von einer anderen Seite, erzählt vom Ausbruch der lange aufgestauten Energie. Inspiration lieferte der mehrfach verfilmte, amerikanische Roman „Der große Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald. Das „grüne Licht“ des Anlegers am anderen Ende der Bucht, das Gatsby immerzu vor Augen hat, symbolisiert seine Sehnsucht nach 29seiner verflossenen Liebe – und die Hoffnung auf vollkommenes Glück.

Im Zentrum des Romans: Partys, Ausschweifungen, Aufbruch und Idealismus. Anfang der 1920er-Jahre in Amerika angesiedelt, war es die Zeit der „Goldenen Zwanziger“. „Ich erzähle in meinen Stück aber nicht den Roman nach“, sagt der Ballettdirektor. „Vielmehr haben wir die Personenkonstellationen zum Ausgangspunkt genommen und die Tänzer haben zu den Figuren improvisiert.“ Und:„Während der Arbeit habe ich gemerkt, dass das Stück ein hohes Tempo braucht.“ So sind viele knappe Szenen entstanden.

Ursprünglich sollte der Abend vor einem Jahr Premiere feiern. Entsprechend hatte Olaf Schmidt bereits mit den Proben begonnen. In dieser ersten Probephase habe er die Kompanie viel improvisieren lassen. In der zweiten Phase arbeitete der Ballettdirektor Ideen, die dabei entstanden sind, konsequent und strukturiert weiter. Dadurch blieb für Gastchoreograph Tiago Manquinho viel Zeit mit den Tänzern zu improvisieren. Das bedeutete konkret: „Schon fast workshopartig hat er mit dem Ensemble an einer ganz eigenen Tanzsprache gearbeitet bzw. diese untersucht. Tiago hat oft das morgendliche Training geleitet, das dann fließend in die Proben überging. So entstand in einem spannenden Prozess sukzessive seine Choreographie“, erklärt Dramaturg Boris von Poser. lz

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