Dienstag , 6. Dezember 2022
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Tess Gerritsen lächelt in die Kamera.
Tess Gerritsen stellte ihren 13. Band "Mutterherz" in der Ritterakademie vor. (Foto: t&w)

Tess Gerritsen: Was die Grundlage ihres neuen Buches ausmacht

Das Warten hat ein Ende. Fünf Jahre mussten die Fans auf die Fortsetzung der „Rizzoli & Isles“-Serie warten. Nun endlich hat Tess Gerritsen geliefert. Die US-Bestsellerautorin stellte auf dem Lüneburger Krimifestival in der Ritterakademie den neuen Band unter dem Titel "Mutterherz" vor. 

Lüneburg. Fünf Jahre haben die Fans auf die Fortsetzung der „Rizzoli & Isles“-Serie gewartet. „Ich war schon ganz verzweifelt“, gestand Margarete von Schwarzkopf am Freitagabend in der ausverkauften Ritterakademie.

Jetzt – endlich – ist er herausgekommen, der mittlerweile 13. Band, der auf Deutsch „Mutterherz“ heißt. Warum ist er jetzt erschienen? „There was a voice in my head“, beschrieb Tess Gerritsen die „“Stimme in ihrem Kopf“, die ihr sagte: „If you see something, say something“.

Frei übersetzt: Wenn dir etwas Ungewöhnliches auffällt, dann sprich darüber. Es ist Angela, die Mutter der Ermittlerin Jane Rizzoli, die etwas vermeintlich Verdächtiges in ihrer Nachbarschaft ausmacht und ihre Tochter deshalb ein ums andere Mal anruft. „Listen to me“ – so lautet der amerikanische Originaltitel, aber Tochter Jane hat weder Zeit noch Lust, ihrer Mutter zuzuhören.

Eigene Erfahrungen finden sich in "Mutterherz" wieder

Angela hat zu Tess Gerritsen gesprochen – und die hat ihr zugehört und ihr viel Raum in ihrem neuen Werk gegeben. Als „Meisterin des perfekten Thrillers“ hatte Jan Orthey die Erfolgsautorin und Rechtsmedizinerin aus Maine vorgestellt.

In einem munteren Gespräch mit der Journalistin und Autorin Margarete von Schwarzkopf (der „Grande Dame des Krimis“, wie Orthey charmant bemerkte) verriet die Amerikanerin interessante Einblicke in ihr Innenleben.

Tief beeindruckt hat sie vor Jahren das Gemälde Judith und Holefernes, das sie in den Uffizien in Florenz sah – so sehr, dass es sie zu einer Idee in ihrem Buch inspirierte: Die junge Kunststudentin Amy befasst sich mit diesem Bild.

Und in Venedig erlebte die Schriftstellerin einst einen gruseligen „nightmare“ – einen Alptraum über ein kleines Kind, das sich bei einem bestimmten Lied auf der Geige in ein Monster verwandelte.

Seitenblick auf Alfred Hitchcock

Das war der Impuls zu „Totenlied“. Mit von Schwarzkopf teilt sie ihre Liebe zu „haunted places and ghosts“, also zu verwunschenen Plätzen und Geistern. „In der Schwebe“, das verriet die deutsche Autorin, sei ihr Lieblingsbuch der Serie – noch. Denn für Band Nr. 14 wünscht sie sich viel Raum für Barry Frost, den Partner von Jane, den sie offensichtlich sehr mag.

„Suspense is waiting for something to happen“ – Tess Gerritsen

Julia Nachtmann las einige Schlüsselstellen des Thrillers, die ungeahnte Verbindungen der Charaktere erahnen lassen: etwa zwischen der „verunglückten“ Studentin Amy, ihrem Vater, der als Arzt in dem Krankenhaus arbeitet, wo auch das Mordopfer Sofia Suarez als Pflegerin beschäftigt war.

Und dabei wurde schnell klar, dass Gerritsen mit leichter Hand gelingt, Spannung zu erzeugen. „Suspense is waiting for something to happen“, erklärte sie und verwies auf Hitchcock, den „master of suspense“, den „Meister der Spannung“, der seine Zuschauer stets in der Erwartung von etwas Grausamen warten ließ.

Die drei Protagonistinnen auf der Bühne boten dem Publikum einen kurzweiligen und aufschlussreichen Abend. Und womöglich tut Gerritsen ihrer deutschen Kollegin von Schwarzkopf den Gefallen und „kümmert“ sich in Band 14 um Barrys unsympathische Ehefrau. „Maybe I should kill her“ – vielleicht sollte ich sie umbringen. Von Schwarzkopf wäre nicht der einzige Fan, der sich darüber freuen würde, denn Barry liegt ihr, wie gesagt, sehr am Herzen.

Von Silke Elsermann

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