Mittwoch , 21. Oktober 2020
Miss Allie tritt am Freitag im Rahmen des Kultursommers in Lüneburg auf. Foto: A

„Herzverwurzelt“ an der Ilmenau

Lüneburg. Zweimal noch schlafen, dann ist es soweit – die Singer/Songwriterin Elisa Hantsch alias Miss Allie tritt auf der Kultursommer-Bühne auf. Am Freitag, 7. August um 20 Uhr gibt sie ihr erstes großes Live-Konzert seit der Corona-Krise. Im Interview verrät sie unter anderem wie sie sich auf den Solo-Abend vorbereitet hat.

Sie sind beruflich viel unterwegs, waren in den letzten Wochen oft in Hannover, warum?
Miss Allie: Ja, im April habe ich vier Online-Konzerte produziert, so dass ich für Soundcheck etc. oft dort war.

Also werden Sie in Lüneburg bleiben?
Erst mal ja. Ich hatte tatsächlich überlegt, nach Hamburg zu ziehen, aber das ist jetzt erst einmal auf Eis gelegt. Ich bin hier irgendwie „herzverwurzelt“.

Was verbindet Sie mit der Stadt an der Ilmenau?
Vieles. Ich bin schon seit 2008 hier, habe hier studiert. Zwischendurch war ich mal kurz weg, aber ich habe hier so viel schöne Zeit verbracht und soviel erlebt, so viele tolle Menschen kennengelernt, dass ich mich immer wieder auf Lüneburg freue.Hier habe ich auch meine ersten wichtigen Konzerte in Deutschland gegeben, zuvor war ich in Australien unterwegs. Lüneburg war immer total gut zu mir, hat mir immer Möglichkeiten gegeben, mich zu zeigen und aufzutreten.

Sind Sie durch die Studienfachwahl auf Lüneburg gekommen?
Ja, genau. Ich wollte eigentlich Kulturmanagement speziell für den Veranstaltungs- und Festivalbereich studieren und da gab es nur drei Städte – am Bodensee, Cottbus und Lüneburg –, in denen etwas in der Richtung möglich war. Als ich nach Lüneburg kam, war ich hin und weg, dachte ,mein Gott, ist diese Stadt schön, ich muss hierher‘ und entschied mich für Kulturwissenschaften.

Wie sind Sie auf den Namen „Miss Allie“ gekommen?
Eigentlich habe ich mir das nicht wirklich ausgedacht. In Australien wurde ich so gerufen, weil sie wohl meinen richtigen Namen nicht aussprechen konnten. Und das habe ich dann beibehalten.

Sie vermarkten sich als „kleine Singer/Songwriterin mit Herz“, wollen Sie dieses „Kleine-Mädchen“-Image beibehalten – schließlich sind Sie kürzlich 30 Jahre jung geworden?
Ich bin der Meinung, dass man sich sein inneres Kind bewahren und Spaß haben sollte. Das Kindliche wird mich mein ganzes Leben begleiten, weil das mein Naturell ist.

Ihre Texte aber sind doch eher anspruchsvoll und frech.
Also Humor und Ernst liegen oft gar nicht soweit auseinander. Bei der Arbeit an meinem letzten Album habe ich aber schon gespürt, dass ich mich auch musikalisch weiterentwickelt habe, dass das Kindliche erwachsener wird. Und das soll auch so sein. Die kleine Singer/Songwriterin bleibe ich auf jeden Fall im Herzen.

Können Sie sich vorstellen, mit einem Pianisten oder einer Band zusammenzuarbeiten?
Ja, definitiv. Aber das ist Zukunftsmusik, das ist jetzt noch nicht dran. Ich freue mich, dass ich mittlerweile eine Tourbegleitung bezahlen kann und demnächst einen Techniker, der mitreist. Gute Musiker sind der nächste Schritt, aber das dauert noch.

Das heißt, dass Sie von Ihrer Musik leben können?
Ja, schon seit 2019.

Gibt es schon ein neues Projekt, an dem Sie arbeiten?
Ich habe viele Dinge in Planung, darunter ein Notenbuch, das ich mit Tutorial-Videos für meinen Youtube-Kanal koppeln will. Auslöser dafür war ein Musikvideo zu „War das nicht gestern“ und darin geht es um die Hochzeit meines Bruders. Und da jetzt gerade die Hochzeitssaison ist, bekam ich viele Anfragen von Leuten, die den Song – ebenfalls für Hochzeiten – nachspielen wollten. Das ist nun fertig, und ich hoffe, dass sich die Leute darüber freuen.

Spielen Sie auch noch andere Instrumente?
Als Teenager hatte ich Keyboard- und Klavierunterricht. Dadurch habe ich ein gutes Notenverständnis. Mein Vater spielte Gitarre und ich habe mir ab und zu seine Gitarre geschnappt und darauf rumgeklimpert. Dann hat er mir einen Song beigebracht und danach war ich total infiziert. Ich fand es total toll, denn die Gitarre hat den Vorteil, dass man sie überall mit hinnehmen kann. Via Youtube habe ich mir weitere Griffe und Songs beigebracht.

Und in Sachen Gesang?
Voriges Jahr, nach 120 Konzerten, habe ich gemerkt, dass meine Stimme ganz schön gelitten hat. Daraufhin habe ich mit einem Stimm- und Sprachtraining begonnen.

Sie managen bisher alles selbst, wie lange schaffen Sie das noch?
Mittlerweile habe ich in Malte Lackmann einen Manager an meiner Seite, mit dem ich mich austauschen und Pläne ausarbeiten kann sowie einen Booker – Jonas Lufft –, der sich um Konzertbuchungen und Medien kümmert.

Was erwartet die Zuschauer bei Ihrem Auftritt am Freitag in Lüneburg?
Es wird mein erstes großes Open Air Konzert. Ich habe mir einen Spiegel gekauft, um ein paar Moves einzuüben. Denn die Bühne ist riesengroß. Das konnte ich bei meinem Auftritt bei Konstantin Wecker feststellen. Und ich hoffe, dass die Leute gute Laune mitbringen, um ein wenig der Corona-Situation zu trotzen.

Von Dietlinde Terjung