Samstag , 24. Oktober 2020
Vicky Leandros ist am Sonntag zu Gast in Lüneburg. Foto: t&w

Endlich wieder auf der Bühne

Lüneburg. Vicky Leandros, 1952 auf Korfu geboren, zählt in Deutschland zu den erfolgreichsten Künstlerinnen überhaupt. Die Sängerin, die eigentlich seit 1986 Freifrau von Ruffin heißt, hat weltweit rund 550 Alben veröffentlicht und 50 Millionen Tonträger verkauft.

Ihre Karriere begann früh, bereits 1972 gewann sie für Luxemburg mit „Apres toi“ (deutsch: Dann kamst du“) den Grand Prix de la Chanson. Im Jahre 1974 folgte in Deutschland der Hit, mit dem sie heute noch oft in Verbindung gebracht wird: „Theo, wir fahr`n nach Lodz“.

Der Gassenhauer täuscht ein wenig darüber hinweg, dass die Sängerin über ein breit gefächertes Repertoire verfügt und in vielen Sprachen singt. Am Sonntag, 9. August, 19 Uhr, tritt Vicky Leandros im Rahmen des Lüneburger Kultursommers auf den Sülzwiesen auf. Vorher war Gelegenheit zu einem Interview.

Wie kommen Sie durch die Corona-Zeit? Künstler gehören ja zu der am stärksten betroffenen Gruppe.
Vicky Leandros: Es ist eine sehr schwierige Zeit für alle Kulturschaffenden, Tausende von Musikern, Schauspielern, Technikern und all die anderen Mitarbeiter sind jetzt seit einem halben Jahr arbeitslos. Ich finde, dass ein großer Teil der Menschen aber auch näher zusammengerückt ist und sich hilft, und wir hoffen alle, dass bald ein Impfstoff gefunden wird. Eine schwierige Situation, die wir gemeinsam meistern müssen.

Wie haben Sie denn ihre eigenen Konzerte erlebt?
Ich bin seit dem Corona-Ausbruch bisher nicht mehr aufgetreten. Das Open-Air-Konzert am Sonntag in Lüneburg ist das erste seit vielen Monaten. Ich freue mich wirklich sehr darauf, auch meine Musiker sind ganz aus dem Häuschen. Ich werde von einem Trio begleitet, das viele Instrumente beherrscht und auch schöne Stimmen hat.

Sie singen in vielen Sprachen, bis hin zu Spanisch und Japanisch?
Ich habe, als ich jung war, immer gern Sprachen gelernt. Mein erstes deutsches Album hatte dann auch einen englischen, einen französischen und einen griechischen Song. Das hat sich so eingebürgert, in den ersten Jahren meiner Karriere habe ich immer ein Album in verschieden Sprachen aufgenommen. In Japan sind rund dreißig Alben von mir erschienen, die Japaner hören übrigens auch deutsche Lieder gern.

Allerdings habe ich dann, als die Kinder kamen, für zehn Jahre erst einmal ganz aufgehört. Heute sind mir die weiten Reisen ein bisschen zu anstrengend geworden, aber ich bin viel in Belgien, Holland und Frankreich unterwegs. Die großen Konzerte sind erst einmal verschoben – wahrscheinlich bis es einen Impfstoff gibt.

Sie waren auch politisch aktiv, hatten ein Ratsmandat in Piräus und waren für Hamburg als Kultursenatorin im Gespräch. Haben Sie heute noch entsprechende Ambitionen?
Nein, das ist ein abgeschlossenes Kapitel. Ich war stellvertretende Bürgermeisterin in Piräus, auch zuständig für Kultur, gewählt für vier Jahre, bin dann nach zweieinhalb Jahren zurückgetreten, als sich alles aufzulösen drohte. Das ist ein knallharter Job, Musik und Politik, man bekommt beides nicht unter einen Hut, ich habe mich für meine Leidenschaft, also für die Musik entschieden.

Ihre frühe Karriere hatte auch mit dem Grand Prix de la Chanson zu tun. Interessiert sie der ESC noch heute?
Ich habe es mir sehr oft angeschaut und fand die Entwicklung sehr interessant, in den letzten Jahren hatte ich nicht die Möglichkeit, da ich meistens an den Wochenenden eigene Konzerte gegeben habe.

Was haben Sie vor, wenn die Pandemie überwunden ist?
Ich würde mich freuen, wieder Konzerte geben zu können, auch für wohltätige Zwecke, wie ein Herz für Kinder und für die Arche Jenfeld, für die ich mich seit vielen Jahren engagiere. Und vielleicht kommt noch eine neue CD mit einem klassischen Orchester, die wir aufgrund von Corona verschoben haben.

Und was hören wir in Lüneburg?
Balladen, Chansons, auch fröhliche Lieder – darunter Titel, die das Publikum einfach erwartet. Und ich erzähle ein wenig aus meinem Leben; mein Motto bleibt: Ich liebe das Leben.

Von Frank Füllgrabe