Donnerstag , 24. September 2020
„Festakt im Freien“ (1969) von Johannes Grützke, im Rahmen der Ausstellung „Früher war schon immer jetzt“.

Absurde Schönheit

Hamburg. Am 4. September starten in der Hamburger Kunsthalle gleich zwei Präsentationen parallel. Mit „Früher war schon immer jetzt“ lotet die Kunsthalle den Bereich zwischen den Polen „Jetzt“ und „Ewigkeit“ aus: Zu erleben sind Gemälde der Sammlung, die nach 1946 entstanden sind. „Die absurde Schönheit des Raumes“ zeigt neue Arbeiten von sieben jungen Künstler(inne)n, die von der Architektur und den Räumen der Galerie der Gegenwart des Architekten Oswald Mathias Unger inspiriert sind.

„Früher war schon immer jetzt“ stellt (bis 5. September 2021) vermeintlich Unvereinbares nebeneinander: Die figurative Malerei der DDR steht neben der gebrochenen Figuration nach 1945 in Frankreich, Minimal trifft auf Pop Art, gestische Abstraktion auf ironische Figuration. Gemälde sind Ausdruck ihrer Zeit und der Individualität ihrer Erschaffer(innen). Die Werke werden älter, ihre Inhalte altern aber nicht. Ihr „Früher“ ist für den Betrachter Gegenwart, Malerei ist ebenso Zeugnis des Momentes ihrer Erschaffung, als auch ewig.

„Die absurde Schönheit des Raumes“ läuft bis 7. März 2021. Die ortsspezifischen Werke für den weißen Gebäudekomplex der Kunsthalle mit seiner innen und außen streng durchkomponierten quadratischen Formgebung werden von den Sieben als Raumkunst begriffen. Die Spannweite der Positionen reicht von installativer Malerei über Raumbespielung und malerischer Assemblage bis hin zu Projektionen im Zusammenhang mit Malerei. Beteiligt sind Jan Albers, Sol Calero, Dana Greiner, Dominik Halmer, Franziska Reinbothe, Helga Schmidhuber und Claudia Wieser.

Eine Ausstellung rund um Max Beckmann (1884-1950) untersucht die oft wiedersprüchlichen Rollen von Weiblichkeit und Männlichkeit in seinen Werken. Mit rund 140 Gemälden, Plastiken und Arbeiten auf Papier zeigt die Präsentation die Breite des Themas. Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen im In- und Ausland – darunter der Nachlass Beckmann, das Städel Museum, Frankfurt am Main, das Saint Louis Art Museum, Missouri und das Stedelijk Museum in Amsterdam – ergänzen den reichen Beckmann-Bestand der Hamburger Kunsthalle. Die Ausstellung läuft vom 25. September bis 24. Januar.

„Making History“ widmet sich ab 1. Oktober Hans Makart (1840-1884) und der Salonmalerei des 19. Jahrhunderts. Das 1881 für die Hamburger Kunsthalle erworbene Hauptwerk von Hans Makart, „Der Einzug Kaiser Karls V. in Antwerpen“ (1878), zählt zu den Identifikationsbildern des Museums, es bildet zugleich einen Höhepunkt in der Malerei des Historismus. Am 1. Oktober kommt das 50 Quadratmeter große Monumentalgemälde des Wiener Malerfürsten, das seit 2016 nicht mehr zu sehen war, wieder zum Vorschein. Gemeinsam mit diesem Werk ziehen 60 weitere Gemälde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts in den repräsentativen ersten Saal des Galerie-Rundgangs ein.

Von Frank Füllgrabe