Montag , 21. September 2020
Das Pitt-Rivers-Museum der Universität Oxford. Quelle: picture alliance / Prisma

Oxford: Museum “dekolonialisiert” sich und entfernt Schrumpfköpfe

London. Die berühmte Sammlung von Schrumpfköpfen und anderen menschlichen Überresten des Pitt-Rivers-Museums der Universität Oxford wird nicht mehr ausgestellt. Nachforschungen unter Besuchern hätten ergeben, dass diese solche Ausstellungsstücke als Beleg dafür betrachteten, dass andere Kulturen brutal, primitiv oder grausam seien, sagte Museumsdirektorin Laura Van Broekhoven. “Statt unsere Besucher in die Lage zu versetzen, die Daseinsweisen Anderer tiefer zu verstehen, haben die Auslagen rassistische und stereotype Denkweisen verstärkt, die den heutigen Werten des Museums zuwiderlaufen”, sagte sie.

Schrumpfköpfe, sogenannte Tsantsas, wurden von einigen indigenen Bewohnern Südamerikas aus den Köpfen getöteter Feinde hergestellt und konserviert. Die Stücke im Pitt-Rivers-Museum sind Teile einer 130 Jahre alten Sammlung und wurden zur Zeit des britischen Kolonialreichs nach Großbritannien gebracht, das weltweit Objekte sammelte und klassifizierte. Das Museum gilt als eine weltweit führende Institutionen für Anthropologie, Ethnographie und Archäologie.

Museum will Kontakt mit Nachkommen der Völker von Objekten aufnehmen

2017 startete es eine Überprüfung, bei der es unter anderem mit der San-Francisco-Universität in Ecuadors Hauptstadt Quito und Vertretern der Shuar-Ethnie die Bedeutung von Schrumpfköpfen erörterte. Jetzt entschied es sich, 120 menschliche Überreste aus der Ausstellung zu nehmen, darunter auch Naga-Trophäenköpfe und die ägyptische Mumie eines Kindes. Die Stücke kommen ins Magazin.

Das Pitt-Rivers-Museum öffnet kommende Woche nach einer Schließung wegen der Corona-Pandemie wieder. Es verfügt über insgesamt etwa 2800 solcher Objekte und hat angekündigt, weltweit Kontakt mit den Nachkommen der Völker aufzunehmen, von denen sie stammen, um mit ihnen über den Umgang mit den Stücken zu beraten.

RND/AP/dpa