Dienstag , 27. Oktober 2020
50 Jahre und ein Tag: Jimi Hendrix war der große Ausnahmegitarrist der späten Sechzigerjahre. Eine neue Doku, die im November mit einem Livealbum erscheint, zeigt ihn in seinem letzten Lebensjahr. Quelle: --/dpa

“Live in Maui” – Konzertalbum von Jimi Hendrix mit Doku kommt

50 Jahre und einen Tag ist Jimi Hendrix nun tot. Nur gut ein Jahr nach seinem ikonischen Auftritt beim “Woodstock”-Festival, wo er die amerikanische Nationalhymne verzerrte, starb der Ausnahmegitarrist in London – ein Mann, der die Grenzen der E-Gitarre neu definierte. Die Nachlassverwalter der Experience Hendrix L. L. C. planen nun zusammen mit dem Label Sony Musics Legacy Recordings die Veröffentlichung der Rock-Dokumentation “Music, Money, Madness … Jimi Hendrix In Maui” auf Blu-ray. Erscheinen soll das Musikfilmprojekt am 20. November.

Die Doku berichtet vom Hawaii-Besuch der Jimi Hendrix Experience im Sommer 1970, nur wenige Wochen vor Hendrix‘ Tod, und von den Ereignissen rund um die Entstehung des mehr oder minder gescheiterten Spielfilmprojektes “Rainbow Bridge”. Enthalten sind hier auch alle existierenden 16mm-Farbfilmaufnahmen der beiden Liveauftritte der Band vom Nachmittag des 30. Juli, die technisch neu aufbereitet wurden und in Stereo und auch im 5.1 Surround Sound präsentiert werden.

Mit “Live In Maui” erscheinen parallel dazu die gesamten Liveaufnahmen des Trios Jimi Hendrix, Billy Cox (Bass) und Mitch Mitchell (Schlagzeug) auf Doppel-CD und Dreifach-Vinyl, vollständig überarbeitet und neu abgemischt vom originalen Hendrix-Soundmann Eddie Kramer und gemastert von Bernie Grundman.

Hendrix‘ Anforderungen an die Studiotechnik waren kostspielig

Mitte des Jahres 1970 arbeitete Jimi Hendrix mit seinen Bandkollegen am Nachfolgealbum von “Electric Ladyland”. Als Headliner spielte er Festivals und Gigs überall in den Vereinigten Staaten, und nebenbei richtete er sich in Manhattans Greenwich Village sein “Electric Lady Studio” ein. Seine Wünsche nach der neuesten Studiotechnik entpuppten sich allerdings als sehr kostenintensiv, sodass sein damaliger Manager Michael Jeffery von Warner Bros. eine halbe Million Dollar als Vorschuss organisierte. Darüber hinaus animierte er die dortigen Chefs noch, die Finanzierung eines Filmprojekts mit dem Titel “Rainbow Bridge” zu übernehmen, inklusive eines Soundtrackalbums mit neuen Studioaufnahmen von Jimi Hendrix als entsprechende Gegenleistung.

In Maui sollte “Rainbow Bridge” entstehen. Inspiriert von “Easy Rider” und unter der Regie des Warhol-Gefolgsmannes Chuck Wein sollte der Film quasi die Brücke schlagen zwischen der erleuchteten und noch nicht aufgeklärten Welt. Er sollte alle möglichen Dinge einbeziehen – Yoga, Surfen, Meditation und Tai-Chi. Es gab allerdings weder ein Drehbuch noch waren professionelle Schauspieler engagiert worden. Als das ganze Projekt in einem Hippie-Chaos zu münden drohte, kamen Michael Jeffrey und Wein überein, in irgendeiner Form Jimi Hendrix einzubauen.

Die Band war bereits für ein Konzert in Honolulu am 1. August gebucht. Kurzerhand arrangierte man auf dem Hang des erloschenen Vulkans “Haleakala” auf kleiner Bühne ein “free concert” für den Nachmittag des 30. Juli, zu dem sich per Mundpropaganda einige hundert Zuhörer einfanden. Die beiden Auftritte vor atemberaubender Landschaftskulisse waren sensationell – das Power-Trio war auf dem absoluten künstlerischen Höhepunkt und spielte zwei perfekte Sets.

Nach seinen Hawaii-Konzerten reiste Jimi Hendrix zurück nach New York und arbeitete in seinem neuen Studio. In den Film “Rainbow Bridge” war er nicht weiter involviert. Ende August reiste er nach Europa, trat beim monumentalen “Isle Of Wight”-Festival und auch in Fehmarn auf und hielt sich anschließend in London auf, wo er am 18. September auf tragische Weise starb.

Film und Soundtrackalbum ließen die Fans ratlos zurück

Während das posthume Album “The Cry Of Love” 1971 enorme kommerzielle Erfolge feierte, floppte “Rainbow Bridge” sowohl als Film – die Besucher erwarteten einen Konzertfilm, aber es gab nur 17 Minuten Hendrix live – als auch als Soundtrack-Album, das die Fans trotz toller neuer Songs wie “Dolly Dagger” oder “Hey Baby (New Rising Sun”) ebenfalls konfus zurückließ, denn es enthielt tatsächlich keinerlei Live-Stücke.

Unter der Regie von John McDermott und produziert von ihm, Janie Hendrix und George Scott liefert die Doku “Music, Money, Madness … Jimi Hendrix In Maui” tiefe Einblicke in die Ereignisse jener Tage auf Hawaii. Die Dokumentation enthält reichlich unveröffentlichtes Material, neue Interviews mit Billy Cox, Eddie Kramer und Warner Bros.-Offiziellen und natürlich auch großartige Interpretationen von Klassikern wie “Purple Haze”, “Fire” oder “Foxy Lady” – aber auch damals neue Nummern wie eben “Dolly Dagger” oder “Freedom”, die bereits seine angestrebte musikalische Zukunft zeigten. Eine Zukunft, die dann nicht mehr stattfand.

“Jimi Hendrix Experience: Live in Maui” erscheint am 20. November als 2CD-plus-BluRay-Version oder als 3fach-Vinyl-plus-BluRay-Version.

RND/ag/hal