Mittwoch , 28. Oktober 2020
Seine Angst ist immer spürbar: Nahuel Perez Biscayart (l.) als Gilles und Lars Eidinger als Klaus Koch in einer Szene des Films “Persischstunden”. Quelle: -/Alamode Film/dpa

Sprache als Mittel zum Überleben: Das NS-Drama “Persischstunden”

“Ich bin Perser”, ruft der belgische Jude Gilles (Nahuel Pérez Biscayart), als neben ihm die Mitgefangenen im Kugelhagel sterben. Der Satz lässt die SS-Schergen innehalten. Hauptsturmführer Klaus Koch (Lars Eidinger) hat den Männern eine Extraration Dosenfleisch versprochen, wenn sie ihm einen echten Perser bringen.

Koch, der im Konzentrationslager die Küche leitet, hat sich in den Kopf gesetzt, Farsi zu lernen. Er träumt davon, nach dem Krieg in Teheran ein Restaurant aufzumachen. Der Gefangene soll Koch unterrichten. Das Problem: Gilles spricht kein Wort Farsi und muss nun eine Sprache erfinden, um im Lager zu überleben.

Das Opfer wird zum Lehrer und der Täter zum Schüler in Vadim Perelmans Drama “Persischstunden”. Der ukrainisch-kanadische Regisseur (“Ein Haus aus Sand und Nebel”) entwirft ein ebenso spannendes wie tiefgründiges Kammerspiel, das vor der KZ-Kulisse die erfundene Sprache zum Überlebensmittel werden lässt.

Bedrohliches Machtverhältnis bleibt

Gleichzeitig ist das falsche Persisch ein künstlicher Raum, in dem sich SS-Mann und KZ-Gefangener begegnen. Aber auch wenn die harte Schale des Hauptsturmführers punktuell Risse bekommt, bleibt das bedrohliche Machtverhältnis jederzeit bestehen. Blitzschnell kann sich Koch zum gefährlichen Tyrannen entwickeln.

Eidinger spielt beide Seiten mit beklemmender Differenziertheit. Ihm gegenüber steht der fabelhafte Nahuel Pérez Bis­ca­yart, der die intelligente Sensibilität seiner Figur, die jeden Tag um ihr Leben bangen muss, glaubhaft verkörpert.

“Persischstunden”, Regie: Vadim Perelman, mit Nahuel Pérez Bis­ca­yart, Lars Eidinger, 127 Minuten FSK 12

RND