Mittwoch , 28. Oktober 2020
Das Buchcover des neuen Romans "Funkenmord" von Volker Klüpfel und Michael Kobr. Quelle: -/Ullsteinbuchverlage/dpa

Kommissar Kluftinger ermittelt in einem alten Fall: “Funkenmord”

Berlin. Kommissar Kluftinger hat es nicht leicht. Zu Beginn von “Funkenmord”, dem mittlerweile elften Roman, den Volker Klüpfel und Michael Kobr mit dem Allgäuer Kriminalpolizisten im Mittelpunkt geschrieben haben, stürmen viele Veränderungen auf den Serienhelden ein. Das ist ohnehin nichts für ihn, aber erst recht nicht, weil er mit der Vergangenheit noch längst nicht fertig ist.

Über viele Jahre und Romane hinweg hat Kluftinger als Teil eines unveränderten Teams gearbeitet. Das ist nun vorbei, denn im vorigen Roman war einer der Kollegen ums Leben gekommen. Damit müssen sich die Polizisten erst einmal abfinden. Die Gruppendynamik wird ganz anders, besonders als die Stelle nachbesetzt wird. Und auch für Kluftinger selbst öffnen sich neue Perspektiven, denn er könnte plötzlich und unerwartet Karriere machen.

Humor wieder fester Bestandteil

Kluftinger legt eigentlich keinen Wert auf eine Veränderung, denn auch zu Hause ist seine gewohnte Idylle gestört. Seine Frau Erika, stets seine verlässliche Stütze, ist krank. So kommen viele Aufgaben im Haushalt auf ihn zu, der noch nicht einmal im Entferntesten weiß, wie man eine Waschmaschine bedient. Der Humor, für den die Kluftinger-Krimis bekannt sind, findet hier wieder Möglichkeiten. Auch die amüsanten Zwistigkeiten mit dem aufdringlichen Doktor Langhammer sind in “Funkenmord” wieder fester Bestandteil der Erzählung.

Auch eine Krimihandlung hat der Roman zu bieten. Der Funkenmord, der dem Roman seinen Titel gibt, ist ein dunkler Fleck in der Geschichte von Kluftingers Heimatort. Für den Kommissar ist seine Heimat jetzt „ein Ort, in dem vielleicht seit über dreißig Jahren ein brutaler Mörder unbehelligt lebte. Diesen Missstand galt es zu beseitigen.“

Kluftinger erkennt Fehler in altem Fall

Vor über 30 Jahren 1985 war eine junge Frau auf fürchterliche Art ermordet worden. Während die Menschen mit den beliebten Funkenfeuern das nahende Ende des Winters feierten, starb eine erst kürzlich in den Ort gekommene junge Lehrerin, die ihr Mörder an ein Holzkreuz gefesselt hatte, bevor er das Gerüst in Brand setzte.

Der Fall schien schnell gelöst, denn jemand hatte die Tat gestanden. Aber dieses Geständnis war vermutlich falsch. Der junge Beamte, der einem Verdächtigen das Geständnis abgerungen hatte, war kein anderer gewesen als der junge Kluftinger. Der Fall hatte den Grundstein für seine Polizeikarriere gelegt, aber mittlerweile ist Kluftinger überzeugt, dass ihm ein grober Fehler mit schlimmen Folgen unterlaufen war.

„Es war allein seine Schuld. Er plagte sich mit Schuldgefühlen, die es ihm manchmal schwer machten, den Tag zu überstehen. Wenn er damals, vor dreißig Jahren, nicht so ehrgeizig gewesen wäre. All das half niemandem weiter, es war wie es war, und auch wenn er fand, dass ihn die Hauptschuld traf.“

Auf sich allein gestellt

Kluftinger will diesen Fehler wiedergutmachen und den wahren Täter finden. Damit steht er allerdings weitgehend allein. Für seine Kollegen ist der alte Fall uninteressant, und diejenigen, die den Tod der jungen Frau miterlebt haben, können oder wollen sich nicht erinnern.

Wohl oder übel muss sich der Traditionalist Kluftinger modernen Untersuchungsmethoden öffnen und sich mit neuester Technik anfreunden. Auf sich allein gestellt, kann er sich aber auch auf seine kriminalistischen Fähigkeiten verlassen.

„Funkenmord“ vermischt Krimispannung und Humor so, wie man es von den Kluftinger-Romanen kennt, wenn die Grundstimmung des Romans auch durchweg etwas düsterer ist als in den anderen Büchern aus der Reihe. Allerdings reicht die Substanz nicht wirklich für fast 500 Seiten. Bei allem Unterhaltungswert hätte dem Roman eine Straffung gutgetan.

RND/dpa