Tief in ihrem Herzen steckt Texas: Jerry Jeff Walker (r.) anno 2005 mit dem Schriftsteller, Musiker und damaligem Gouverneurskandidaten für Texas, Kinky Friedman (Mitte) und dem texanischen Strafverteidiger Dick DeGuerin. Quelle: picture alliance/AP Photo

„Mr.-Bojangles“-Komponist Jerry Jeff Walker stirbt mit 78 Jahren

Cowjazz – Kuhjazz – nannte Jerry Jeff Walker seinen Stil. Und so hieß auch 1982 eine seiner Platten, auf deren buntem Cover fliegende Kühe und Fiedel spielende Hamster zu sehen waren. Der in Oneonta, New York, als Ronald Clyde Crosby geborene Musiker Walker hatte mit seinen Songs Erfolg sowohl in Country- als auch in Jazzkreisen. Sein erfolgreichstes Lied „Mr. Bojangles“ sangen so unterschiedliche Interpreten wie die Nitty Gritty Dirt Band, Whitney Houston und – auf Deutsch – Wolfgang Niedecken.

Sammy Davis Jr. sang es zwei Jahrzehnte lang in seinen Fernsehshows. Jetzt ist Walker, der Komponist, Musiker und Sänger des Klassikers, im Alter von 78 Jahren gestorben.

„Er kämpfte mehrere Jahre gegen Kehlkopfkrebs und einige andere Gesundheitsprobleme“, sagte John T. Davis, ein Sprecher der Familie, der Nachrichtenagentur Associated Press. Der Krebs war 2017 diagnostiziert worden, Chemotherapien und Bestrahlungsserien folgten. „Ich habe meine Fähigkeit zu singen für selbstverständlich gehalten, jetzt weiß ich, dass dem nicht so ist“, gestand Walker 2018 der Zeitung „Austin American-Statesman“.

Walker stammte aus einer musikalischen Familie

Musik lag immer in Walkers Familie. Schon seine Großeltern mütterlicherseits spielten bei Square-Dance-Veranstaltungen Piano und Geige. Als Teenager war er Mitglied einer lokalen Band, die The Tones hieß, die einen Plattenvertrag erhielt, im Studio aber durch Studiomusiker ersetzt wurde. Eine erste bittere Erfahrung.

Jahre als Straßenmusiker folgten. Von der Ukulele wechselte er 1963 zur Gitarre, unter dem Künstlernamen Jerry Jeff Walker hatte er ab Mitte der Sechzigerjahre Auftritte in den Clubs von Greenwich Village. Das Album „Mr. Bojangles“ wurde 1966 einer seiner größten Erfolge.

Er war Gründungsmitglied der Band Circus Maximus und hatte 1972 einen weiteren Hit mit „L.A. Freeway“, einem Song aus der Feder des 2016 verstorbenen Guy Clark.

In den Siebzigerjahren kam Walker in Texas verstärkt mit der Country-Outlaw-Bewegung in Berührung, die sich gegen die musikalischen Konventionen der Countrymusikmetropole Nashwille wendete, und die Walker inspirierte.

Mit seiner Frau Susan, die er 1974 geheiratet hatte, gründete er 1986 ein eigenes Plattenlabel und veröffentlichte dort eine Reihe sehr persönlicher Alben, die ohne jede Beeinflussung großer Labels entstanden.

Walkers Vermächtnis – ein Geschenk an den Staat Texas

Sein Musikarchiv mit mehr als 100 Schachteln voll mit Tonträgern seiner Musik, Fotografien, handgeschriebenen Songtexten und sonstigen Gegenständen vermachte Walker 2017 den Wittliff Collections an der Texas State University.

Neben seiner Frau hinterlässt Walker zwei Kinder – seinen Sohn Django und seine Tochter Jessie Jane.

RND/big