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Michelle Obama, ehemalige First Lady der USA, hat eine neue Kochshow. Quelle: Hau Dinh/AP/dpa

Michelle Obama kocht für Kinder: Die Netflix-Serie „Waffles & Mochi“

Michelle Obama ist Gastgeberin einer Kochshow für Kinder: „Waffles & Mochi“ ist aber noch ein bisschen mehr – neben Lebensmittelkunde wird auch Lebenskunde serviert.

Nach ihrem Auszug aus dem Weißen Haus haben die Obamas nicht in Golfplätze, sondern in eine Filmproduktionsfirma investiert. Higher Ground Produktions nennt sich die Firma frei nach dem Michelle-Obama-Mantra „When they go low, we go high”.

Mit der Gründung wurde 2018 ein Netflix-Deal abgeschlossen, die erste Produktion „American Factory“ (2019) wurde gleich mit dem Dokumentarfilmoscar ausgezeichnet. Im Vorjahr erschien die Doku „Becoming”, die die ehemalige First Lady auf ihrer Buchtour begleitete. Für September ist der Spielfilm „What Is Life Worth?” angekündigt. Michael Keaton spielt den Opferanwalt Kenneth Feinberg, der die Betroffenen des Terrors vom 11. September und der BP-Ölkatastrophe vertreten hat.

Zu dem politisch engagierten Portfolio kommt nun mit „Waffles & Mochi” eine TV-Show für Kinder hinzu, in der es nur um eines geht: ums Essen. Das Ziel der zehnteiligen Serie ist es, Wissen und Freude an selbst zubereiteten Mahlzeiten aus frischen Zutaten zu vermitteln – ein Graswurzelunternehmen in einem Land, dessen Esskultur von Fast Food geprägt ist.

„Waffles & Mochi” ist mehr als eine Kochshow für Kids. Mit Reisen kreuz und quer durch die Welt werden Herkunft und Verwendung von Tomaten, Mais, Reis, Kartoffeln, Pilzen und sauren Gurken erkundet. Und das ist für Eltern wie Kinder interessant, weil die Serie mit ebenso viel Liebe zum Essen wie zur jungen Zielgruppe konzipiert ist.

Das Ganze kann man sich als modern aufgepeppte Mischung zwischen „Muppets Show” und „Die Sendung mit der Maus” vorstellen. Die Titelfiguren sind Stoffpuppen, die ihr Leben in der Tiefkühltruhe verbracht haben. Trotzdem träumen sie davon, Köche zu werden und landen nach ihrer Flucht aus dem ewigen Eis im Lebensmittelladen von Mrs. O.

Fliegender Einkaufswagen

In einem riesigen Dachgarten residiert die Besitzerin Michelle Obama, die die beiden unterqualifizierten Bewerber auf Erkundungstouren schickt. Mit einem fliegenden Einkaufswagen reisen sie zu Bauern, Spitzenköchinnen und Food-Spezialisten in L. A., Südamerika, Japan, Korea und Italien.

Ob Kartoffelanbau in den Anden, Miso-Suppen-Zubereitung in Kyoto oder die Herstellung von Kimchi in Seoul: Jeder Ausflug ist ein kulinarisches, aber auch ein visuelles Abenteuer. Spektakulär sind die Bilder von Salzteichen in Peru, gruselig die Pilzzuchtkatakomben in Japan.

Höhepunkt in jeder Folge: Zehn süße Fratze aus aller Welt erzählen, was sie über das jeweilige Nahrungsmittel zu wissen glauben. Für Musik ist ebenso gesorgt. Originelle Songs wie „Ich bin eine Frucht” (Tomate), „Ich brauche Zeit” (Gewürzgurke) oder „Schlagt mich auf” (Eier) haben Ohrwurmpotenzial.

Auch Lebenskunde wird hier von Mrs. Obama als irgendwie immer noch amtierende Mutter der Nation verabreicht. Wer hätte gedacht, dass man anhand einer Kartoffel über die Dialektik zwischen äußerer Unscheinbarkeit und inneren Werten sinnieren kann?

„Waffles & Mochi”, zehn Episoden bei Netflix, von Jeremy Konner, mit Michelle Obama, Katie Leclerc