Wie geht es weiter? Eine Teilnehmerin der Hamburger Kundgebung „Alarmstufe Rot“ – bei der Versammlung machte die Veranstaltungsbranche auf ihre Notlage aufmerksam und stellte ein Konzept zur sicheren Durchführung von Events unter Corona-Bedingungen vor. Quelle: Daniel Reinhardt/dpa

Veranstalterbündnis #AlarmstufeRot enttäuscht von MPK: „Regierung zementiert die Krise“

Und wieder stand die Kultur bei der Ministerpräsidentenrunde zur Pandemie am Montag (22. März) nicht auf der Tagesordnung. Was bei den Kulturschaffenden und im Livesegment Tätigen der Republik auf Unverständnis stößt. „Wir sind maßlos enttäuscht von den Ergebnissen der MPK“, so Tom Koperek, der Vorstandsvorsitzende der Initiative #AlarmstufeRot, zum RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Andere Länder testen und impfen im ICE-Tempo, während unsere Regierung die Krise zementiert.“

#AlarmstufeRot: Politik lenkt von ihrem Versagen ab

„Wir haben als Branche funktionierende Konzepte und sichere Lösungen für einen Neustart vorgelegt“, sagt Koperek weiter und wirft den politischen Entscheidern Unfähigkeit vor: Es existiere kein politischer Handlungswille, „stattdessen überbietet sich die Politik mit immer rigoroseren Maßnahmen, um von ihrem eigenen Versagen abzulenken“.

#AlarmstufeRot ist ein Bündnis von Initiativen und Verbänden der deutschen Veranstaltungswirtschaft. Sie sieht auch nach einem Jahr des sogenannten Eventlockdowns noch keine wirksame politische Interessenvertretung für die Branche. Von der Ministerpräsidentenkonferenz am Montag habe man sich mehr erhofft. Die „seit Monaten geforderte Einbeziehung von Schnell- und Selbsttests in Verbindung mit ausgereiften Hygienekonzepten hätte eine vorsichtige Wiederzulassung von Veranstaltungen ermöglicht“, ist man sich sicher.

Versinkt das Thema Kultur hinter Parlamentspause und Wahlkampf?

Befürchtet wird vor allem, dass das Veranstaltungsverbot auch dann noch fortbesteht, wenn das Thema aufgrund von parlamentarischer Sommerpause, Wahlkampf und neuer Regierungsbildung kaum Chancen auf eine Vorrangstellung hat. Und die Veranstaltungsbranche mache mit ihren langen Planungszeiten – anders als der Einzelhandel – nicht vom Tage der Erlaubnis von Veranstaltungen an auch wieder Umsatz.

Dem Musical-Produzenten Stage Entertainment ist die Gangart des neuen Maßnahmenpakets schon gut bekannt: „Die Beschlüsse überraschen uns nicht wirklich, da sie die seit Ausbruch der Pandemie vor über einem Jahr jeweils getroffenen Entscheidungen nebst ihren Grundlagen und Gewichtungen fortsetzen“, teilt der Pressesprecher Stephan Jaekel gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland mit. Für den eigenen Spielbetrieb bedeute der verlängerte Lockdown mit hoher Wahrscheinlichkeit eine weitere Verschiebung der Wiederaufnahme in Richtung Spätsommer oder Herbst.

Das Veranstaltergewerbe sieht sich im Stich gelassen und fordert von der Bundesregierung, „endlich die Verantwortung (zu) übernehmen und dafür (zu) sorgen, dass die finanziellen Rettungsmittel im sechstgrößten Wirtschaftszweig mit einer Million Beschäftigten ankommen“.

Beschlossen wurde bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Montag vor allem eine Fortsetzung des bestehenden Lockdowns bis zum 18. April und der Versuch, durch erweiterte Osterruhetage (Gründonnerstag und Karsamstag) das exponenzielle Wachstum der dritten Pandemiewelle zu brechen.

Auch wurde im Beschluss explizit erwähnt, dass Veranstaltungen in einem zeitlich befristeten Modellversuch durchaus genehmigt werden können. Bei Stage Entertainment gibt das Hoffnung: „Wir begrüßen alle Modellversuche sehr – die aktuellen in Berlin zielen vorrangig darauf ab, die operativen Prozesse von Tests und Einlass zu üben. Sie werten nicht aus, ob oder wie sich die Aufführungen auf das Infektionsgeschehen auswirken“, so Pressesprecher Stephan Jaekel. Doch sei dies beispielsweise in Tübingen oder in den Niederlanden, wo das Unternehmen auch mit einer Spielstätte an einem solchen Versuch beteiligt ist, der Fall.

Doch will das Unternehmen die Möglichkeiten bei eigenen Produktionen nicht nutzen: „Allen Testläufen gleich ist allerdings zur Zeit noch die Einhaltung von deutlichen Abstandsregeln im Zuschauerraum, die Auslastungen von maximal 50 Prozent zulassen. Das ist für uns leider nicht genug, um kostendeckend spielen zu können. Insofern müssten für uns Testversuche auf jeden Fall ein Szenario abbilden, das noch mehr Besucher zuließe.“

Das nächste Beratungstreffen von Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder wurde für den 12. April anberaumt.

RND/big/goe