Ziemlich gute Freunde: Papiersammler Mehmet (Cagatay Ulusoy) und der kleine Ali (Emir Ali Dogrul). Quelle: --/Netflix/dpa

Auf Istanbuls Straßen: So ist die Netflix-Serie „Das Leben ist wie ein Stück Papier“

Im Jobranking dürfte der Müllsammler ziemlich weit unten stehen. In Istanbul erledigt Mehmet seine Aufgabe jedoch mit so viel Stolz und verdient mit Altpapier auch so gutes Geld, dass er sich und seinem Team zerlumpter Jungs ein würdevolles Leben ermöglicht.

Zum großen Glück im Kleinen fehlen Mehmet nur die dringend benötigte Spenderniere und eine Familie – und das ist doch noch mehr als der enge Zusammenhalt in seinem Elendsviertel. Dann entdeckt Mehmet den Ausreißer Ali ausgerechnet in einem Müllsack. Er nimmt den Sechsjährigen auf, der von seinem Vater geschlagen wurde. Erinnerungen an Mehmets eigene Kindheit werden wach – mit überraschenden Folgen.

Zur sensationellen Musik von Ömer Özgür erschafft Regisseur Can Ulkay in „Paper Lives“ (Buch: Mehmet Erdem Ercan) eine Mischung aus Milieustudie und Melodram, in der ein Fest wahrer Freundschaft gefeiert wird. Nach Eigenproduktionen von „Atiye“ über „Azizlar“ bis „Bir Baskadir“ zeigt Netflix hier aufs Neue, dass die Türkei als Drehort zu den heißesten Pflastern der globalen Streamingbranche zählt.

„Das Leben ist wie ein Stück Papier“, Netflix, von Can Ulkay, mit Çağatay Ulusoy und Emir Ali Doğrul, 97 Minuten.

Von Jan Freitag/RND