Auch diese Skulptur trägt einen neuen Namen. Quelle: picture alliance/dpa

Rassistische Werktitel: Dresdner Sammlungen benennen 143 Kunstwerke um

Hannover. In die Diskussion über die Umbenennung von Kunstwerken wegen rassistischer Titel hat sich der Deutsche Museumsbund eingeschaltet. Vorstandsmitglied Reinhard Spieler forderte am Mittwoch ein differenziertes Vorgehen. Ein grundsätzliches Tabuisieren bestimmter Wörter halte er nicht für angebracht. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) hatten die Titel von bisher 143 Werken wegen rassistischer oder anderweitig diskriminierender Begriffe verändert.

Reinhard Spieler vom Deutschen Museumsbund sagte dazu dem Evangelischen Pressedienst (epd), originär von Künstlerinnen und Künstlern vergebene Titel sollten nicht angetastet werden und „immer so bleiben“. Vom „Volksmund“ vergebene Titel seien jedoch anzupassen und zu verändern, wenn sie rassistisch oder diskriminierend seien.

Spieler, der Direktor des Sprengel Museums in Hannover ist, schlug vor, in diesen Fällen den historischen problematischen Titel in Klammern anzugeben. Außerdem sollte das jeweilige Werk auch mit einer Namenshistorie versehen werden, zum Beispiel „Frau mit Kopftuch“ (seit 1930 bis 2000 „Zigeunerin“). Daran könne dann „die Veränderung von Wertvorstellungen“ abgelesen werden. Ähnlich hatte sich Spieler zuvor in einem Interview mit dem MDR geäußert.

Aus der „Zigeunermadonna“ wurde die „Madonna mit stehendem Kind“

Die Bearbeitung von Werk- oder Objekttiteln sei eine übliche, seit Jahrhunderten in sehr vielen Museen in aller Welt stattfindende Praxis, erklärten die SKD. Sie hänge damit zusammen, dass bis ins 19. Jahrhundert hinein Kunstwerke nur selten von denen betitelt wurden, die sie geschaffen hätten. Insofern wiesen sie also in den allermeisten Fällen keinen vom Künstler oder der Künstlerin vergebenen „Originaltitel“ auf.

Die aktuell umbenannten, teils weltberühmten Objekte stammen unter anderem aus dem Kupferstich-Kabinett, dem Grünen Gewölbe und der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden. Demnach wurde aus der „Zigeunermadonna“ die „Madonna mit stehendem Kind“ oder aus dem „Kopf eines Negerknaben“ der „Studienkopf eines jungen Mannes. Der „Mohr mit der Smaragdstufe“ aus dem Grünen Gewölbe, eine mit Edelsteinen, Gold und Silber verzierte Figur, heißt jetzt „**** mit der Smaragdstufe“.

„Diskriminierende Bezeichnungen durch Sternchen zu ersetzen finde ich keine gute Lösung - das wäre ein Ausradieren von Geschichte“, sagte Spieler dem epd. Dem MDR hatte er zuvor gesagt: „Ich finde, wir sind als Museen historische Institutionen und wir wollen eigentlich sichtbar machen, dass man in anderen Kulturen und zu anderen Zeiten andere Werte vertreten hat.“ Spieler zufolge ist auch das Museum Ludwig in Köln aktiv bei Umbenennungen von Werken.

Die Verwendung von Sternchen diene der Ausblendung diskriminierender Begriffe, teilten die SKD mit. Diese würden aber nicht gelöscht, sondern seien online nach einem Mausklick und damit nach der bewussten Überwindung der Sternchen-Barriere sichtbar, so auch bei „**** mit der Smaragdstufe“.

Die SKD haben zudem diskriminierende Titel durch Anführungszeichen sowie den Hinweis „(historischer Titel)“ gekennzeichnet und zahlreiche Objekte sprachlich überarbeitet.

RND/epd

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