Szene aus der Dokumentation „Mitgefühl“. Quelle: P F SKIOLD

Glücksmomente im Hier und Jetzt: die Kinodoku „Mitgefühl“

Denkt May Bjerre Eiby an die Zustände in dem Heim, in dem ihr Vater starb, überkommt sie immer noch das Grausen. Es müsse auch anders gehen, davon war sie überzeugt. Also gründete die dänische Krankenschwester 2016 das Demenzpflegeheim Dagmarsminde, das einen würdevollen Lebensabend ermöglichen soll.

Zwölf demenzkranke Bewohnerinnen und Bewohner leben in einer WG-ähnlichen Gemeinschaft und erfahren bei möglichst geringem Medikamenteneinsatz individuelle Zuwendung. Das Ziel: Glücksmomente im Hier und Jetzt zu schaffen. Das ist gerade für Menschen wichtig, deren Erinnerung bröckelt. Die Warteliste für einen Platz im Heim ist lang.

In ihrer einfühlsamen Doku bringt Louise Detlefsen ihrem Publikum das Pflegen und Leben in Dagmarsminde nah. Ihr empathischer Blick spart auch das Sterben nicht aus. Aufschlussreich sind die Besprechungen des Heimpersonals. Die Beantwortung profaner Fragen wie etwa die nach den Kosten der zeitintensiven Pflegemethode gehört indes nicht zum Konzept der Regisseurin, die sich aufs Beobachten beschränkt. Man hätte aber auch darüber gern etwas erfahren.

„Mitgefühl“, Regie: Louise Detlefsen, 96 Minuten, FSK 0

Von Jörg Brandes/RND

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